Automatisch in die Zukunft

 

Wir verhandeln über die Zukunft. Wir fühlen uns wunderbar. Sich einer Sache verschreiben und dann einen Schritt zurücktreten. Die Wahrheit in den Zwischenräumen suchen, oder sollte man sie besser nicht stören, bei ihrer Suche nach uns?

Was macht ein wahres Gespräch aus und wie viel Zweifel verträgt eine Demokratie? Ein selbstloses Feindbild von übergreifendem Verständnis. Der Traum, wieder schuldlos zu werden. Nachrichten – das, wonach wir uns richten.

Ich sammle Atemzüge, um sie später auszuwerten.

Verzweifeln Sie nicht an der Fahrlässigkeit einer unaufrichtigen Bewegung, und vergessen Sie bitte nicht, die Stühle hochzustellen, bevor Sie gehen.

 

23 Gedanken zu “Automatisch in die Zukunft

  1. Da fällt mir sovieles zu ein. Ich erlaube es mir einfach, ja?

    „Wieviel Zweifel verträgt eine Demokratie?“ … Immer weniger, weil wir mehr zweifeln und verharren, als alles andere. Wir werden zu nichthandelnden, weil nichtwissenden Wesen. Dabei sollte die Demokratie doch transparent sein, uns zeigen, woran sie gerade arbeitet, für wen sie es tut, und dass sie es für uns tut.

    „Was macht ein wahres Gespräch aus?“ – Für mich, wenn der andere mich kurz berührt und ich ihn. Wenn ich spüre, dass die Person vor mir mindestens kurz ihre Fingerkuppe in meinen Seelensee getupft hat und dieser Resonanz zeigt – und umgekehrt.

    „Ich sammel Atemzüge, um sie später auszuwerten.“ Und ich versuche, mich nicht mehr auszuwerten, weil sonst kriege ich nur noch Schläge von mir. Versuchen wir zu leben, wenigstens heute, heute ist Frühlingsanfang, heute ist unser persisches Neujahresfest. Lass uns feiern. Heute ausnahmsweise einmal das Leben.

  2. Ich sehe die Sache mit dem Zweifel sehr ähnlich, Sherry. Es geht [für mich] tatsächlich um eine gute Balance, zwischen Zweifel und Anzweifeln, weil anders ja keine Kontrolle möglich ist, und vor allem nichts Neues entsteht, aber zu viel Zweifel eben handlungsunfähig macht. [Wir haben das ja unlängst an diesem Kony Protest erlebt].
    Und das mit dem „wahren“ Gespräch hast Du ganz wunderbar auf den Punkt gebracht. Das sind diese wertvollen, seltenen Gespräche, an die man sich noch lange erinnert. Ich mag es aber auch schon, wenn ich das Gefühl habe, jemand hat eine andere Meinung als ich, gibt sich aber die Mühe das darzulegen und mich zu überzeugen, oder wenigstens seinen Standpunkt deutlich zu machen, ohne mir das Gefühl zu geben, ich sei ohnehin zu dumm, oder meine Meinung vollkommen abwegig. Respekt ist da das Schlüsselwort, obwohl es zugegebenermaßen sehr schwer ist, manche Ansichten zu respektieren, aber wenn es dennoch gelingt, die Diskussion auf einer sachlichen Ebene stattfinden zu lassen, ist für mich schon ein wahres Gespräch erreicht.
    Dann sammeln wir heute mal die Atemzüge, nur um zu leben! Wie schön, dass das persische Neujahrsfest mit dem Frühlingsanfang zusammenfällt, das empfinde ich als viel natürlicher, als mitten im Winter ein neues Jahr beginnen zu lassen.

    1. @FrauWunder:
      Ach, danke, du. Die ganzen biografischen Auswahlmöglichkeiten machen uns zu Moos und Schlamm. Bewegungslos und ratlos. Aber das kriegen wir hin, da bin ich mir sicher.

      @Mützenfalterin:
      Oh ja, ich sehe das ähnlich. Ich finde, der Zweifel darf ruhig oft aktiv sein, er darf uns nur nicht lähmen. Denn ohne Entscheidungen tut sich rein gar nichts. Wäre mein Zweifel in Sachen Kony z.B. nicht ständig aktiv gewesen, hätte ich meine Meinung und meine Argumentation dafür nicht einfachso zurückrudern können. Ich bin sogar recht stolz darauf, dass ich das kann, ich musste das üben, weil ich von Natur aus sehr stur bin. Aber bei sehr wichtigen Dingen versuche ich immer sehr wach zu bleiben. Ich hätte aufgrund des Videos alleine niemals eine Entscheidung getroffen, aber ich habe gefühlte 10 Tage ständig nur recherchiert. Die jüngsten Kritikpunkte wurden mir dann zu heiß.

      Oh, Diskussionen sind für mich meistens sehr anstrengend. Aber ich weiß, was du meinst. Denn wenn sich jemand anständig auf deine Argumente einlässt, dann siehst du wenigstens seine Wertschätzung für dich und dein Gesagtes. Manchmal gibt es so Diskussionen, da erklärt man Dinge ausführlich und versucht alles verständlich zu begründen, und dann kommt dein Gegenüber und ko*** zwei Sätze dahin und fertig. Da könnte ich ausflippen. *lach*

      Am Liebsten ist mir das Miteinander mit sowenig Mauern wie möglich. So wie der Vollmond sollten wir dann offen sein, die Energien fließen lassen (ich mag esoterische Sätze nicht, aber das Bild passt gerade). Wenn man dann noch ganz wenig Angst hat, in dem verletzlichen Moment angegriffen zu werden, dann kann das ein sehr schönes Erlebnis sein. Um das zu schaffen, muss man sich in dem Moment irgendwie lieben, denn einen anderen Schutz als die Selbstliebe gibt es in dem Moment nicht. (Und das Vertrauen in den anderen natürlich) … Ach, ich rede soviel, ich schreibe total unkontrolliert. Tut mir Leid.

      Oh ja, ich finden den Frühlingsanfang auch natürlicher für das neue Jahr. Wir feiern das 13 Tage lang. Ich hoffe, ich nehme die 4kg, die ich gerade abgenommen habe, nicht wieder zu.

      Ich hinterlasse euch Blumen.

      1. Mit den Diskussionen muss ich euch Recht geben. Wenn jemand mich während eines Gesprächs zu berühren vermag, dann ist das ganz wundervoll. Aber auch Diskussionen, in denen meine Argumente auf Gehör stossen, darauf eingegangen wird und ich sehe, das Gegenüber gibt sich wirklich Mühe, mich zu verstehen, auch wenn es möglicherweise anderer Meinung ist und auch bleiben wird, sind für mich etwas ganz Tolles, was leider viel zu selten möglich wird. Mir zumindest geht es in reinen Sachdiskussionen meist auch nicht vordergründig darum, eine Art emotionale Verbundenheit – wenn auch nur für kurze Zeit – herzustellen, sondern oft einfach darum, Argumente auszutasuchen, Standpunkte auf ihre Konsistenz hin abzuklopfen und – im Idealfall – vom Gegenüber etwas zu lernen. Natürlich kann das nicht vom Emotionalen völlig getrennt werden, ebensowenig wie das Emotionale vom rein Kognitiven separiert werden kann, ohne allzu akademisch zu werden. Ein Gleichgewicht finde ich diesbezüglich ganz wichtig – was in welcher Diskussion überwiegen soll, ist dann wohl wieder situationsbedingt.

  3. Was ist ein wahres Gespräch? Eines das stattgefunden hat? Oder eines, in dem über etwas Wahres gesprochen wurde? Oder meint ihr ein wahrhaftiges, eines im besten Sinn des Wortes?

    Ein selbstloses Feindbild zielt wohl auf hingebungsvoll, eines, das so ausgeprägt ist, das man darüber auf sich selbst vergisst.

    Augenscheinlich richten wir uns nicht nur nach den Nachrichten, wir richten auch nach ihnen.

    Und Atemzüge auszuwerten? Nicht eher: Verwerten? Verwenden?

    1. Lieber metepsilonema, ich meinte ein reales Gespräch und gleichzeitig ein ideales. Vielleicht geht es dabei, wenn das Gepräch so gelingt, wie scarlettliest, das noch einmal treffend zusammen gefasst hat, um Wahrheit, vielleicht auch nicht. [Was ist schon Wahrheit und wie unterscheidet sie sich von der Wirklichkeit?]
      Schön, dass Du in den Nachrichten das Richten der anderen mitgelesen hast, ich hatte es auch mitgeschrieben.
      Die Atemzüge sind sehr bewusst „ausgewertet“, auch wenn ich das jetzt auf die Schnelle nicht erklären kann.
      Danke für Deinen kritischen Kommentar.

  4. ein Auszug aus dem neuen Buch von N.D. Walsh, find ich irgendwie passend zu dem schönen Muetzentext :
    Eine wichtige Aufgabe war zu erledigen, und Alle waren sicher, dass Jemand das übernehmen würde. Jeder hätte es tun können, aber Niemand tat es. Jemand wurde deswegen wütend, denn eigentlich war es eine Aufgabe für Alle. Alle dachten, dass Jeder sie erledigen könnte, aber Niemand erkannte, dass Alle es nicht tun würden. Es endete damit, dass Alle Jemand die Schuld gaben, obwohl doch Niemand erledigt hatte, was Jeder hätte tun können.

    1. Ja, leider schon seit Urzeiten wahr, was N.D. Walsh da schreibt. Aber jetzt kann man wenigstens bequem ein Knöpfchen drücken und dann das Gefühl haben, seinen Teil zur Empörung und Verbesserung der Welt beigetragen zu haben.

      1. ja, allerdings denke ich, jedes Knöpfchen, welches wir drücken verändert etwas in uns, sei es nur der kurze Moment der Entscheidung und der bleibt

      2. Ich kann das leider nicht so positiv sehen. Es ist eben keine wirkliche Entscheidung, ein Knöpfchen zu drücken und sonst nichts. Es entlastet. Vor den wirklichen Entscheidungen.

      3. Schon. Aber ich sehe da ein echtes Problem. Es ist toll, was da bewegt werden kann mit Hilfe des Internets, aber es liegt gleichzeitig eine große Gefahr darin, sich ganz einfach ein gutes Gewissen zu verschaffen.

      4. Warum soll ein gutes Gewissen eine Gefahr sein und ein Schlechtes nicht?
        Bewusstsein verändert sich in jeder Sekunde, auch ein kolletives Bewusstsein.
        Das Leben ist dual auf seine Weise, ein Ein-und ausatmen. Wer, glaubst du,denkt er könne sich mit einem Mausklick ein gutes Gewissen verschaffen. Wenn die Menschen es wirklich denken,würden sie klicken bis die Mäuse glühen.
        Ich denke was du meinent/fühlen/denken könntest ist, dass mehr passieren sollte, die Dinge sich schneller bewegen in eine bestimmte Richtung. Es wäre ( wenn es so ist) dein Gefühl, anderen haben ein Gefühl die Welt verändert sich zu schnell, sie möchten den Status Quo halten, sind irritiert von den neuen Ideen.

      5. Nein, mir geht es um noch etwas anderes. Um Konsequenz und Unbequemlichkeit. Vielleicht hilft ein Beispiel: Nach Fukushima waren alle gegen Atomkraft, aber wer hat wirklich den Anbieter gewechselt? Wer hat so weit gedacht, dass wir verzichten müssen? Ich meine dieses Klicken im Internet ist nicht viel anders als die Reden am Stammtisch. Und ehrlich; haben die jemals etwas geändert?

      6. Zitat: Vielleicht hilft ein Beispiel: Nach Fukushima waren alle gegen Atomkraft, aber wer hat wirklich den Anbieter gewechselt? Wer hat so weit gedacht, dass wir verzichten müssen?
        Ich:-)
        Denke schon das Stammtischgespräche die Welt verändern, vielleicht nicht revolutionär, am nächsten Morgen. Dieses klicken im Internet lässt uns hier diskutieren und mich über deine wunderbaren Texte freuen und sinnen. In Gesprächen, welche ich führe spüre ich eine deutliche Veränderung bei den Menschen.
        Walsh beschreibt es in seinem Buch sehr schön und mach viel Werbung für eine Homepage genau diese Themen diskutiert werden können, sie können aber auch am Stammtisch oder vor der Kita diskutiert werden.
        Wie war noch dieses Gras Zitat? Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht.
        So ein menschliches Bewustsein benötigt seine Zeit, mit Internet haben wir eine schöne Plattform um uns kollektiv auszutauschen und Mut zu machen neue Wege zu gehen, auch und gerade die persönlichen , eigenen Wege

      7. Wir argumentieren natürlich völlig einseitig, Du aus der positiven Ecke, ich aus der skeptischen und natürlich haben wir beide Recht, was bedeutet, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt. Danke für Deine Hartnäckigkeit.

      8. Bitte! Allerdings ist meine Wahrheit, das es keine Wahrheit gibt. Alles ist ewig im Wandel:-)))

  5. Wie viel Zweifel verträgt die Demokratie? Manchmal zweifele ich sogar daran, dass wir in einer Demokratie leben. Da könnte ich verzweifeln.
    Ich glaube das in Frage stellen wichtig ist. Wir werden dazu angehalten permanent in die Zukunft zu denken, statt in der Gegenwart zu verweilen und sie genau anzusehen. Der eine oder andere Blick in die Vergangenheit, ohne großartige Schuldsuche, nur zur Sondierung des Gewesenen wäre, meiner Meinung nach, angebrachter. Vergangenheit und Gegenwart geben die Richtung für die Zukunft an.
    Alles Liebe Karin

  6. Karin, ich finde Du hast unbedingt Recht. Langfristige(re) Entscheidungen und ein sondierender Blick in die Vergangenheit könnten vieles verändern. Langsam, aber in eine gute Richtung und womöglich sogar nachhaltig.

  7. Da hab ich doch noch diesen Text an meinem Kühlschrank gefunden, er ist von dir und passt zu unseren Kommentardiskurs:
    Wir erzählen uns. Aber nicht die Wahrheit. Nicht einmal die Wirklichkeit. Vielleicht weil wir diese Einsicht im Moment des Erzählens nicht haben. Vielleicht auch, weil wir letztendlich immer gezwungen sind, die von uns erzählten Geschichten selbst anzuhören und uns bewundern wollen. Stolz auf uns sein, oder wenigstens den Eindruck vermitteln, Mitleid zu verdienen. Wir werben (auch bei uns selbst) um Verständnis, nicht um Verstehen, um Einsicht, die womöglich Konsequenzen haben könnte, Schritte nach sich ziehen würde, während wir auf unserem Standpunkt beharren und damit auf unserem Recht, zu stehen und stehen zu bleiben.

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