19. März

Das erste Projekt ist jetzt tatsächlich fast abgeschlossen. Wenige Seiten fehlen noch und dann beginnt die ganz andere Arbeit, die eigentlich schon fast nichts mehr damit zu tun hat.

Die Bibel, dieses Erstlingswerk [was für ein Begriff] von Péter Nádas, das er vor zwei (oder sind es schon drei?) Jahren nicht lesen wollte und stattdessen aus einem bereits übersetzten Teil der Parallelgeschichten gelesen hat, in einen Zug ausgelesen. Solch eine Klarheit und rücksichtslose Schönheit. Schon damals als junger Mann.

Das werde ich nie erreichen denken und meinen: niemals hätte ich die Kraft, so hart zu arbeiten.

 

In all den Geschichten, die mich erreichen, die ich unerreichbar gelungen finde, geht es im Grunde um dassselbe. Um diese unüberbrückbare Einsamkeit und die Ohnmacht mit der wir es zulassen müssen, dass wir unerreichbar bleiben füreinander. Vielleicht sogar für uns selbst. Und diese Schönheit, die sich plötzlich ausbreitet, wenn das in so klaren Worten dort steht. Nur das.  Keine Lösung, keine Anklage. Nur die Klarheit einer Beschreibung. Nur das Schweigen geht darüber hinaus. Und vielleicht ist es das, was die schmerzliche Schönheit an diesen Geschichten ausmacht, das zwischen den so klar und leuchtend formulierten Sätzen das Wissen um die Notwendigkeit des Schweigens liegt. Und seine Unmöglichkeit.

16 Gedanken zu “19. März

  1. Es ist so schön, wie du schreibst und was du schreibst. Ich werde mir das Buch jetzt bestellen, ich möchte es lesen. Hab‘ vorhin eine Buchbeschreibung gelesen und freue mich auf die klare Sprache, die mir so oft fehlt. Nicht nur mir selbst, sondern bei so vielem, das ich lese.

    1. Ja, Sherry, das geht mir auch so, dass mir die Klarheit häufig fehlt, in mir und um mich herum, auch das ist ein Grund, warum ich sie beim Lesen so genieße.
      Ich bin schon sehr gespannt, wie Dir das Buch gefallen wird.

  2. Ich glaube das definiere ich „klar“ anders als du. Ich meine nicht deutlich, überdeutlich womöglich, wenn ich von Klarheit schreibe. Ich meine diese Klarheit, die keine Ausflüchte sucht, sondern die Dinge benennt, so wie sie sind, auch wenn es weh tut.

    1. Eben das möchte ich gerade nicht, allzu deutlich benannte Dinge, denn dann fällt es sehr schwer eine eigene Leserichtung zu finden und man muss dem Buch wenig abringen (wenn ich Dich jetzt recht verstehe).

      Mal sehen. eigentlich kommt mir das Buch auf Grund seiner Länge entgegen und ich lese gerne Erzählungen.

  3. „… die schmerzliche Schönheit …“ da ist so viel gesagtes, noch mehr zwischen den zeilen – und doch: ich ahne was du meinst, aber nicht ganz. nie ganz. nie und bei niemandem.
    danke für diesen berührenden text!

  4. Ach, liebe Mützenfalterin. Du beschreibst hier in genau der Weise, wie Dir Texte, die Du liest, zusagen.
    Jetzt versuche ich bereits seit einiger Zeit den letzten, wunderbaren Abschnitt Deines Beitrags zu kommentieren, und scheitere einfach. Alles ist gesagt. Völlig bereichernd für mich. Danke Dir.
    mb

    1. Zu den Genazino habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Ich werde aber mal sehen, ob ich das Buch in der Bibliothek bekommen, Danke auf jeden Fall für den Tipp, und dass Du Dich hier sehen lässt ;-).

  5. Gespalten ist meines zu ihm auch. Aber da sind dann immer wieder diese Sätze, die ich unterstreichen möchte, weil ich sie unterschreiben könnte und bei denen ich gleichzeitig denke: Wie mutig, so etwas Unerhörtes so unverblümt zu sagen.

  6. Das ist sein aktuellstes Werk, bin gespannt, ob die Bücherei so was hergibt. Ich habe es in der Zeitung gelesen, als Fortsetzungsroman. Mein erster Fortsetzungsroman ever 🙂

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