Pae White

„My favorite art is the art I don´t understand.“ (Pae White)

Pae White, Dying Oak, variation 4:3 animation film, 2.5 ft, loop, Ed 3 + 2 AP Image © Pae White, courtesy Xavier Hufkens, Brussels

16 Gedanken zu “Pae White

    1. Entschuldige bitte, Syra, dass ich Deinen Kommentar so lange übersehen habe, ich bin ein bißchen fahrig in letzter Zeit. Aber ich muss Dir widersprechen, oder vielleicht habe ich Dich auch einfach nicht ganz richtig verstanden, ich finde, dass das gerade hilft und dass das gerade das ist, was es erhellend macht, dass man in die eigene Assoziationskiste greift, statt sich an den vorgegebenen Bewertungsmustern abzuarbeiten.

      1. Du brauchst Dich nicht zu entschuldigen, der Begriff von Zeit ist für mich relativ. Ist also alles gut. Wenn ich im Bereich der Kunst etwas sehe, was ich nicht verstehe, versuche ich bewußt eben nicht direkt in die typische Assoziationskiste zu greifen. Weil ich will, daß das Neue für mich eine Weile absolut „Neu“ bleibt. Und das geht bei mir erst einmal nur über die Sinne. Mein Auge sieht hin, nimmt wahr, und versucht, nicht sofort über die Synapsenschaltung eine Eigenschaft oder Begrifflichkeit zuordnen zu wollen, weil ich für einen Moment die Energie wahrnehmen möchte, die in diesen Momenten hochkommt.

        Diese Sofortzuschreibungen mag ich deshalb nicht so gern, weil sie flugs aus diesem noch Unbekannten etwas Bekanntes machen, es somit an die Vergangenheit heften, weil sämtliches Material, welches aus der Assoziationskiste stammt, an der Vergangenheit, eben der Erfahrung, die man machte, haftet. Was ist das dann, in diesem Augenblick? Ein Erkennen von etwas Neuem?

        Ich will einfach immer erstmal nur hinsehen… und dann fühlen. Und dann fühlen, ob sich Räume öffnen, in denen ich bis jetzt noch nicht war. Dann erst versuche ich Begrifflichkeiten zu finden, bin damit aber immer ganz ganz vorsichtig. Auch, weil ich gelernt habe, daß das was beschrieben wird, nie das Beschriebene sein kann.

        Generalisieren will ich das hier an dieser Stelle selbst:verständlich nicht… jeder Rezipient reagiert in seinem eigenen medialen Kommunikationsprozess anders. 🙂

      2. Vielen Dank, Syra, für Deine Erklärung. Jetzt verstehe ich was Du meinst. Ich glaube tatsächlich, da war mein Horizont zu eng. Diese Art der Rezeption ist tatsächlich noch einmal ganz anders. Ich weiß gar nicht, ob ich das kann. Ich muss es demnächst einmal versuchen.
        Nochmals vielen Dank für die Denkanstöße.

  1. Das Interessante ist, wenn wir etwas nicht verstehen, finden wir dennoch immer Anhaltspunkte. So, wie wir das in Wolken tun, obwohl sie nicht einmal intentionale Kunst sind. Ich sehe hier Spinalnerven und eine schwache Columna vertebralis. Ich komme nicht umhin, hier jemanden zu sehen, der gekrümmt ist, es immer war – und dann vom goldenen Licht abgeholt wird. Und deshalb sagt dieses Bild gerade mehr über mich aus als über die Künstlerin. Ein sehr verstörender Gedanke.

    Vom Stil her erinnert es mich zudem einwenig an Sofasophias iPhone Art. ❤

    So, ich werde dich jetzt aus dem RSS Feed nochmal löschen und neu hinzufügen, ich hoffe, diese Spielchen haben dann ein Ende. Tsss …

    1. Liebe Sherry,
      das sehen wir auch so: dass die eigene Beschreibung von etwas, das man wahrnimmt, häufig mehr über den Betrachter aussagt, als über das Bild und (in der Kunst) den Künstler. Schön, das Beispiel von den Wolken. Sich-ein-Bild-von-etwas-machen. Etwas sehr spezifisch menschliches: urteilen zu können, und irgendwie auch beinah immer sich zu etwas verhalten müssen.

      1. Ja, so ist es wirklich. Wir bringen immer unsere ganze Erfahrung und Persönlichkeit mit, wenn wir ein Kunstwerk ansehen. Und deshalb bin ich manchmal der Meinung, dass ein Kunstwerk erst seinen letzten Schliff bekommt, wenn es von anderen betrachtet wird. Ob nun in der Malerei, in der Musik oder in der Schriftstellerei. Aber da sind nicht die meisten meiner Meinung, würde ich einmal behaupten!

      2. Danke erstmal für Deinen Hinweis wegen der technischen Mängel, obwohl ich nicht glaube, dass ich es wirklich behoben habe. 😦
        Ich glaube, es ist sehr, fast unvorstellbar, schwer, einem Kunstwerk wirklich im besten Sinne naiv gegenüber zu treten, ohne all den Bildungsballast, den man mit sich schleppt, einfach nur mit neugierigen Kinderaugen. Ich habe im letzten Jahr mit meinen Kindern eine Ausstellung besucht, die sie kannten, ich aber noch nicht und so haben sie mich geführt, das war ein besonderes, einmaliges Erlebnis, das mir wirklich einen anderen Blick auf „Kunst“ ermöglicht hat.
        Ich glaube, jeder muss Dir Recht geben, Sherry, dass jede Kunst einen Betrachter braucht, nicht nur den, der sie hervorgebracht hat. Möglicherweise scheint vielen diese Prämisse derart selbstverständlich, dass sie widersprechen, oder aber die Wertschätzung wird mit einem Urteil verwechselt. Aber ich bin völlig Deiner Meinung, dass kein Kunstwerk autonom ist, (wenn es das ist, ist es keine Kunst mehr) sondern der Wahrnehmung eines anderen bedarf, die ihm erst das hinzufügt, was nur derjenige, der sich damit beschäftigt hinzufügen kann. Je unterschiedlicher und vielfältiger das sein kann, um so weitreichender ist das Werk.

  2. Ich kann mir vorstellen, dass das ein wesentlicher Grund für Ihre Aussage gewesen ist, das was Du hier ansprichst, dass man in dem was man nicht versteht, etwas von sich selbst erkennt (mehr als in den anderen, vermeintlich verständlichen, Objekten).

    1. Jetzt, nachdem ich Syras Erläuterungen gelesen habe, kann ich mehr anfangen, mit diesem Satz, der sich anfangs nicht grundlegend von dem von Pae White unterschied. Jetzt kann ich ihn besser würdigen.

      1. sehr lustig.

        war auch anders gemeint.

        MEINE lieblingskunst ist die, die ich verstehe, die keine erklärung braucht, die ich augenblicklich erlebe.

        aber, daher, deswegen

        zum einem glaube ich, dass uns kunst auch immerwieder schön zeigt, dass man nicht alles verstehen muss/kann/soll.

        zum anderen meine ich, dass gute lieblingskunst mit dem „NEU“ spielt. wie zum beispiel – zwei dinge nehmen. sie neu zusammensetzen. etwas neues enstehen lassen. neue räume. neue verbindungen im gehirn. neues im betrachter … (wie der bekannte ?tierkopf von picasso – sattel. lenker. NEU.) und ich verstehe es sofort. und ich staune. weil ich es in diesem moment nicht nur verstehe, sondern erlebe. wie in einer universalsprache. und andere verstehen es auch. egal woher/sprache/kultur …

        aber nicht immer nur das NEUE –
        auch das lieblingslied, dass nicht nur einmal gänsehaut verursacht …, das ich aber verstehe/erlebe. vielleicht verstehe ich es auch immer wieder neu?! wer weiss? wer will das wissen und verstehen?

        und meine zweite lieblingskunst ist die, die ich nicht verstehe, die neu ist, die mir erklärt wird und die ich dann verstehe! sonst könnte ich gleich morgen nach cern fahren und den netten wissenschaftern dort erklären, sie seien meine lieblingskünstler, weil ich eigentlich überhaupt nicht versteh, was sie dort eigentlich machen.

        ha.

        allen alles liebe.

  3. Ja, das technische Problem hat sich noch nicht behoben, deshalb komme ich jetzt einfach mindestens 1x am Tag von selbst hierhin. Haben andere das Problem denn auch? *seufz*

    Kinderaugen, ja. Kinderaugen setzen eben voraus, dass man wirklich weniger weiß – wie du sagtest – weniger Erfahrung gemacht hat, so dass die Erfahrung der Kunst etwas ganz Neues ist. Aber weißt du, was ich auch finde? Dass – wie alles im Leben – wenn die Differenzierung der Naivität weicht, man auch eine neue Qualität erfühlen kann. Während Kinder oder naive Betrachtungsweisen erst einmal nur die Stimmung und das Neue einsaugen, saugen wir das Bekannte ein und fangen schon an, sie in all ihren Facetten (neu) zu erleben, weil wir Facetten überhaupt erkennen. Wir können in alles soviel hineininterpretieren, bis wir selber beim Betrachten zu Künstlern werden. Ich finde, das hat auch etwas Schönes.

    Zu dem anderen: Da geben mir tatsächlich noch wenig Menschen Recht, weil es für viele noch wie ein Angriff auf ihr Selbstbewusstsein und ihre Einzigartigkeit ist, wenn ich einfach sage, dass den meisten Künstlern eben doch wichtig ist, dass ihre Kunst gesehen oder wertgeschätzt wird. Das gibt vielen das Gefühl, gesagt zu bekommen, nicht authentisch zu sein. Dabei ist das nicht so. Wie soll man überhaupt „authentisch“ sein, wenn man in seiner Kunst seine Erfahrungswelt – also auch Anteile dessen, was andere Personen zeigen und sind, Anteile von Ereignissen, die wir alle kennen und erfahren, aufgreift und in seine Kunst mit einfließen lässt? Warum das Individuum künstlich hoch betonen, wenn wir alle irgendwie allein durch unsere geteilten Erfahrungen und dem Ort, den wir miteinander teilen, miteinander verwoben sind?

    Das, was uns einzigartig macht ist doch, wie wir all diese Gemeinsamkeiten nochmal selber verwerten, in welche Form wir es bringen, um es greifbar oder auch ungreifbar zu machen. Authentisch kann man nur sein, wenn man sich dessen bewusst ist, dass man nie etwas sein kann, was es nicht schon irgendwie in irgendeiner Form gibt. Dann ist man frei von seinem Anspruch, völlig einzigartig sein zu müssen und kann seine Einzigartigkeit dann umso freier ausleben, ohne Angst, als Wiederholung oder Kopie angesehen zu werden.

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