Gedanken umlenken

Wir lenken unsere Gedanken um, in eine Handlung in der alles gut ist, also eine, in der wir nicht vorkommen, nur fremde Liebespaare an unschlüssigen Häfen und wir, die Herren der Geschichte, lassen sie dort stehen mit der Geduld verlassener Bahnhöfe, bis sie einander endlich so fremd werden, wie uns der Gedanke an Glück.

21 Gedanken zu “Gedanken umlenken

  1. Liebe Mützenfalterin,

    Unschlüssige Häfen und verlassene Bahnhöfe: Ich finde fremde Liebespaare sehr interessant. Man fragt sich oft, ich frage mich das, was die beiden aneinander gefunden haben. Oder was sie nicht gefunden haben und weiter suchen. Ich mag auch Häfen und Bahnhöfe, das sind sehr interessante Orte, wegen dieser An- und Abreisen und dieser tragischen Momente, vor allem im Leben von Liebespaaren. Man findet an diesen beiden Orten tatsächlich einen Hauch von Tragik, von all der Liebe, von der zu Ende gegangenen und der unerfüllten Liebe. Und dennoch mag ich die Orte und ich mag die Liebespaare.

    Kennen Sie eigentlich – das ist etwas aus dem Zusammenhang – diesen Film über Henri Cartier-Bresson. Ich gehe nicht gerne ins Kino und ich habe in meinem Leben sicher keine zwanzig Filme angeschaut, aber den habe ich sogar zweimal gesehen: http://www.kino.de/kinofilm/henri-cartier-bresson-biographie-eines-blicks/95166

    Herzlich
    Aléa

    1. Liebe Aléa,
      zuerst einmal möchte ich mich ganz herzlich für diesen Link bedanken, ich wusste nichts von diesem Film, habe mir eben den Trailer angesehen und werde nun unbedingt versuchen, irgendwie in den Genuss dieses Filmes zu kommen. Im Gegensatz zu Ihnen liebe ich Filme und kann gar nicht oft genug ins Kino gehen.
      Außer dem Kino (und vielen anderen Dingen) liebe ich auch Bahnhöfe und Häfen (Flughäfen und noch mehr solche an denen Schiffe ablegen) , weil hier nicht nur viele Menschen zu sehen sind (Menschen anzusehen ist eine große Leidenschaft von mir. Ich rede nicht so gerne mit ihnen, aber ansehen könnte ich sie stundenlang, das ist wohl auch ein Grund dafür, dass ich die Bilder von Elizabeth Peyton so mag und die Ausstellung von Taryn Simon so genossen habe. Aber ich schweife ab, ich mag diese Orte genau aus den von Ihnen genannten Gründen, es liegt dort Abschied und Ankommen, Trennung und das erhoffte Ende einer Trennung, das dann doch nicht das ersehnte Glück bringt. Es sind einfach sehr sehr gefühlsaufgeladene und inspirierende Orte.
      Danke für Ihren Kommentar und ganz besonders für den Filmtipp.

  2. oh sry, aber ich denke auch, es ist weniger eine Handlung als eine Vorstellung. und der Gedanke an Glück. sollte besser nicht fremd werden. wenn mir allerdings was von Pflicht erzählt wird, fällts mir schon wieder schwer. Dabei ist es ein gutgemeintes Angebot .

    Glück (H)

    1. Das Glück ist eine Vorstellung, in erster Linie und hauptsächlich, manchmal aber kann es auch in einer kleinen Handlung liegen, oder in einer großen, oder auch darin eben nicht zu handeln. Und ich denke, Pflicht brauchen wir nicht, das Glück und unsere Sehnsucht danach sorgen schon dafür, dass wir die Gedanken daran niemals ganz verlieren.
      Danke für Deinen Kommentar.

  3. Wieso eigentlich in eine Handlung in der alles gut ist und nicht, z.B., in eine Handlung die gut ist? — Ich verstehe das „in der Handlung“ nicht. Geht das überhaupt? In einer Handlung?

    1. Gibt es nicht, ja. Aber (ein wichtiges aber!): Schreiben bedeutet doch neue Bedeutungshorizonte zu eröffnen, ungesagtes zur Sprache zu bringen und wie sollte das anders gelingen, als durch neue und andere Formulierungen?

      Mann muss sie wagen und die Leser werden entscheiden ob es gelungen ist oder nicht.

  4. ein so kurzer text, mit umgekehrt so weiten räumen – meinen glückwunsch, liebe muetzenfalterin! es sind die häfen, ob nun für flug, bahn oder schiff, die mir inspiration sind. ja, ich liebe diese orte auch- schon als junges ding saß ich gerne an den häfen und lauschte dem tiefen A der auslaufenden schiffe, sah die winkenden menschen, sah manche verstohlene träne… weggewischt. mensch wollte stark sein, inwendig trauerte das herz!
    jedoch… der gedanke an glück möge doch bitte NIE fremd werden, auch wenn er manchmal sehr fremd ist, für eine hoffentlich nur kurze Weile.

    gestolpert bin ich über die „Herren der Geschichte…“ fragte mich, wieso herren? wenn frau diesen text schreibt?

    1. Danke Li SSi,
      ich bin ja ein wenig unzufrieden mit mir, dass ich nur noch so kurze Fetzen hinbekomme, aber die Zeit steckt momentan in anderen (nicht herzeigbaren) Projekten. Aber schön, wenn ihr das dennoch honoriert.
      Die Herren der Geschichte sind natürlich eine Frau und ein Mann, ich hätte auch schreiben können Meister, aber das hätte dich vermutlich nicht weniger verwirrt. Es gibt kein Neutrum oder etwas feminines, das klingt.

  5. guten Morgen. apropo Glück. habe ich gestern auf Arte noch die Thalbachs als Preußenkönig Friedrich II. (1712-1786) gesehen. ja, und da hat die MUtter Katharina als alter Fritz dann gesagt : Das Glück ist eine Frau. La Fortune. Ich bin aber kein guter Liebhaber.

    eija, der Fritz hatte es wohl auch nicht einfach, dabei war er offenbar begabt.

  6. Verdammte Tastatur. Andauernd verschwinden Buchstaben. Also nochmal:
    „umlenken“ – dieses Wort war mir gar nicht so geläufig. Häifig benutzt man ja den Begriff „ablenken“. Aber wenn man über die Wörter nachdenkt, merkt man, dass Sie verschiedenes bedeuten. So wie eine „UM“lenkrolle Kraft in eine andere Richtung leitet, aber nicht vernichtet, aber ein Blitz“AB“leiter die Energie in den Boden leitet eben grade um Sie zu vernichten. Hmm.. hoffe das ist nicht zu technich oder zu abstrakt?

    1. nein, gar nicht zu abstrakt, sondern eine willkommene Erweiterung der Gedanken.
      Aber, dass deine Tastatur Buchstaben verschwinden lässt, wäre doch auch mal eine Geschichte wert, oder? Ich würde mir ja eine neue falten 😉

  7. Dieser kurze Text erschlägt mich mit nur einem Satz: „[…] in eine Handlung in der alles gut ist, also eine, in der wir nicht vorkommen […]“ und der zweite folgt: „bis sie einander endlich so fremd werden, wie uns der Gedanke an Glück.“

    Hier ist der Punkt, an dem ich mich nicht nur für die Ästhetik und die Gedankenketten deiner Worte interessiere, sondern für dich als Menschen. Ich weiß, das kann unangenehm sein, wenn man das so direkt gesagt bekommt. Aber ich würde gerne mehr über dich wissen, die du so einen Satz schreiben kannst in einer Beiläufigkeit, die auch weh tun kann.

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