Was solls

Was mich ärgert ist, wenn mir eine Zeitschrift eine standardisierte Absage schickt, ohne sich vorher die Mühe gemacht zu haben, meine Beiträge überhaupt zu lesen, während ich sehr viel Sorgfalt darauf verwandt habe, die Beiträge so zusammenzustellen, dass sie zu dem Profil der Zeitschrift passen.

Wenn ich eine Einladung zur Mitarbeit bekomme und das Versprechen, das zu rezensierende Buch in Kürze zugeschickt zu bekommen. Wenn begeistert auf meine Zusage reagiert wird und dann nichts mehr passiert.

Aber ich werde nicht richtig wütend. Also was solls?

12 Gedanken zu “Was solls

  1. Sehr ärgerlich und unzuverlässig. Irgnedwie erinnert mich das an etwas, das ich selbst erlebt habe, aber wie du, nicht wütend geworden bin.

    Ich hatte es fast verdrängt. Ich sollte für so ein Projekt Fotos schießen. Es ging um etwas Karitatives. Jedenfalls haben wir die genauen Vorstellungen von dem Bild für das Infoprospekt besprochen, ich hab’s – so gut ich das als Laie eben kann – realisiert was sie wollten und alle schienen sehr zufrieden mit dem Ergebnis gewesen zu sein. Kommt die Vorstandsfrau und schießt so ein – sorry – wirklich dämliches, schlechtes Foto irgendwo mit ihrer Handykamera in ihrem Wohnzimmer, verschwommen, zu dunkel, schlecht in Szene gesetzt und sagt, sie wolle das unbedingt dafür benutzen, das habe soviel mehr Aussagekraft. Und alle müssen das hinnehmen. Seltsamerweise war ich nicht wütend, ich dachte nur „Pech für die da!“

    Vielleicht bist du nicht sauer, weil du weißt, was du drauf hast. So wie ich in dem Moment, als ich diese Absage bekam. =)

    1. Danke für Deine kleine Geschichte, Sherry.
      Ich glaube, ich ärgere mich mehr über mich, als über die Leute, weil ich mit beiden schon ähnlich schlechte Erfahrungen gemacht habe, ohne gleich die Konsequenzen daraus zu ziehen. Ich werfe mir vor, mich ein wenig angebiedert zu haben, um mal wieder gedruckt zu werden (bei der Rezension wollte ich einfach das Buch).

  2. ich sage mir in so momenten, wie ihr sie da beschreibt, dass ich mal wieder perlen vor die schweine geworfen habe. natürlich sage ich das leicht ironisch, so selbstbewusst bin ich nämlich nicht, aber der satz hilft schnell, zu relativieren.
    wenn ich denke, das keri hulme, jene neuseeländische autorin, die ich neulich im blog vorgestellt habe (unter dem tagmond), zig absagen für ihren genialen roman erhalten hatte, bevor sie von einem alternativen kollektiv „entdeckt“ wurde, kann ich ebenfalls vieles relativieren.
    hauptsache wir vergessen unseren wert nicht – und der ist hoch, sogar ohne alle unsere produkte.
    nicht aufgeben!

    1. Stimmt, mit Wert hat es etwas zu tun. Ich erlebe das häufig bei Zeitschriften, die sich selbst für „Szeneblätter“ oder sonstwie für etwas sehr Spezielles halten, dass ich so ein Gefühl habe, da agiert eine kleine Gemeinschaft nur untereinander, die sind gar nicht an der Qualität der Texte interessiert, sondern nur an Namen. Davon sollte man (ich!) dann einfach die Finger lassen.
      Zum Glück habe ich es (gerade in der Anfangszeit, als ich zu schreiben angefangen habe) auch ganz anders erlebt. Und bis heute bekomme ich ab und zu Absagen, die so nett und persönlich abgefasst sind, dass ich mich gar nicht darüber ärgern kann.
      Danke für Deinen Zuspruch!

  3. „hauptsache wir vergessen unseren wert nicht – und der ist hoch, sogar ohne alle unsere produkte.
    nicht aufgeben!“ wie wahr, Frau Sofasophia!!!
    es ist doch immer wieder das selbe Lied… mensch bemüht sich, gibt sein/ihr Bestes, bekommt zunächst einmal ein bißchen süßen Schaum und den Mund geschmiert und dann entscheidet man sich, achselzuckend, für mindere Qualität… oder auch kein Schaum, kein Wort, kein nix… Anstand ist auch so ein Wort, besonders aber ein Verhalten, dass ich jährlich mehr vermisse… also bleiben wir eben menschlich und wahren den Anstand… wir sind ja nicht ganz allein ;o)

  4. Du hast Recht. LiSsi. Mich stört dabei tatsächlich der fehlende Respekt, ich finde es gar nicht so schlimm abgelehnt zu werden, dafür kann es tausend Gründe geben und die muss man mir nicht einmal nennen, aber ich möchte das Gefühl haben, dass sich jemand meine Sachen angeschaut und dann entschieden hat. Das ist, das sehe ich genau wie Du, eine Frage des Anstands.
    Danke für Deinen Kommentar.

  5. Mich besorgt fast mehr als das unmögliche Verhalten der Zeitungstypen, dass du nicht richtig wütend wirst? Sicher, je älter wir werden um so mehr überlegen sich unsere Emotionen, ob sich die Aufregung auch lohnt…Und dennoch: Wäre es nicht angemessen wütend zu werden, wenn man einfach übersehen wird oder einem falsche Versprechungen gemacht werden?

    1. Schön, dass Du das schreibst, maryam. Ich suche schon so lange nach meiner Wut! Lange Zeit habe ich sie wohl (wie viele) gegen mich selbst gerichtet und jetzt, da ich das Gefühl habe, dass ich das nicht mehr tue, ist sie einfach nicht mehr da. Ich würde so gerne einmal richtig wütend. Aber man kann das nicht erzwingen. Wütend werde ich eigentlich nur, wenn jemand meine Kinder ungerecht behandelt, ich selbst scheine mir da nicht so wichtig zu sein.

  6. Das verstehe ich sehr gut sogar. Ich werde nur wütend, wenn meine Kinder wütend sind. Da sie das momentan sehr oft sind, kenne ich also das Gefühl der Wut gerade mehr als mir lieb ist. Gegen seine eigenen Kinder aber, ist es kein gutes Gefühl. Da hätte ich denn auch beim rein selbst-destruktiven bleiben können.

    Dass man sich selbst nicht so wichtig scheint, hört sich immer erst einmal gut an, ne? Manche verstehen das Problem gar nicht, eben weil sie es mit “ mit sich im Reinen sein“ gleichsetzen. Das aber ist es leider (jedenfalls nicht ganz). Ich würde vermuten, dass wir immer noch keinen wirklich liebevollen Bezug zu uns gefunden haben. Vielleicht hilft uns ja da, die Suche nach der Wut weiter.

  7. Schön, dass du das gleich richtig verstehst, (nicht eigentlich schön, weil es sich ja nicht wirklich rund anfühlt, aber schön, weil ich mich nicht erklären muss). Es ist nicht gut, nicht wütend zu werden, wenn man selbst schlecht behandelt wird. Ich vermute bei mir ist da immer noch ein Rest von diesem Glauben, dass ich es ja nicht besser verdient habe. Und vermutlich unnötig, das zu erwähnen (dir gegenüber): aber es gibt einen ganz großen und wichtigen Unterschied zwischen richtiger Wut und diesem zickigen Sich Aufregen und rummeckern (das kann ich leider ganz gut ;-(…

  8. Das kann ich gut nachvollziehen, Karin, besonders Rücksichtslosigkeit macht mich rasend. Aber eher so ohnmächtig wütend, ich möchte das so gerne mal an den richtigen Stellen ablassen. Weißt du, was ich meine?

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