Roman Vishniac

„Ich konnte mein Volk nicht retten, aber die Erinnerung daran. Die ganze Welt hat zugesehen – auch die im Schutze anderer Nationen, einschließlich den in den USA lebenden Juden, und hat nichts unternommen, um diesem Gemetzel ein Ende zu machen.“  Roman Vishniac 

Roman Vishniac

 

9 Gedanken zu “Roman Vishniac

  1. Abgesehen davon, dass wir dazu neigen, die Augen zu verschließen, wenn wir zuviel riskieren oder opfern müssten, war und ist es noch immer ein Problem, eine Masse von Menschen auf einmal zum selben Schritt zu bewegen. Wie konnte das nur passieren? Das frage ich mich immer wieder. Auch bzgl. anderer Dinge …

    Ein Freund von mir sagte mal: „Sherry, vergiss diese Aussagen wie ‚Wir hatten Angst‘. So eine Sache kann nicht ohne Gegenwehr passieren, wenn die meisten nicht doch irgendwo gerne der Super-Arier gewesen wäre und etwas gegen die anderen gehabt hätten.“ Ist das wirklich so? Ich kann’s mir nicht vorstellen. Ich habe in dem Moment gesagt, dass es sehr einfach ist, rückblickend Menschen zu verurteilen, die keine Macht hatten und die ihre eigene Familie beschützen müssen. Aber für mich, in mir, dachte ich auch: Es hätte trotzdem etwas passieren müssen. Und: Warum ist es nicht passiert? Wir werden uns die Frage wohl noch oft stellen.

    Ihr kennt sicher alle das Milgram Experiment, oder? Jedenfalls ist das, was hier in Deutschland damals passiert ist, nichts, was nicht hätte auch woanders passieren können. Wenigstens das konnte man dabei herausfinden. Wir sind anfällig für Autoritäten, die uns strickte Anweisungen geben. Die einen mehr, die anderen weniger. Aber es sind erschreckend viele, die es wirklich „mehr“ sind.

  2. die These deines Freundes hat Herr Goldhagen in seinem Buch „Hitlers willige Vollstrecker“ vertreten und es gab einen großen Aufschrei damals. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber ich glaube, es sind viele Faktoren, die damals zusammengespielt haben, und einer davon ist bestimmt auch der, dass es ausreichend viele Menschen gab, die Hitler und seiner Ideologie gerne gefolgt sind. Und diese Menschen sterben nicht aus, wie man jetzt gerade wieder beobachten kann.
    Gerade wenn alles sehr unübersichtlich wird, schwer zu durchschauen und noch schwieriger zu bewältigen, dann sehnen die meisten sich nach einer Autorität, da hast Du Recht, Sherry, was aber nicht schlimm wäre, wenn gleichzeitig nach der Integrität dieser Autorität gefragt würde.
    Ich glaube trotz allem und ohne mir ein Urteil über die Menschen damals anmaßen zu wollen, dass es möglich gewesen wäre, die Katastrophe abzuwenden, diesen Glauben möchte ich nicht verlieren. Danke für eure Kommentare, LiSsi und Sherry.

  3. Vielen Dank, liebe Mützenfalterin, für das Zitat und das Foto.
    Wir sind eher skeptisch, was die Lernbereitschaft der Massen betrifft. Selbst in den kleinsten Gruppierungen, denen eine autoritäre Autorität vorsteht, verhalten sich aus unserer Sicht Menschen (egal wo und wann) mitunter allzu hörig und können dazu neigen, Andersdenkenden innerhalb dieses Systems massiv zu schaden. Wir fürchten, dass es das immer geben wird.

    1. Ja, das fürchte ich auch, ohne deshalb den naiven Glauben zu verlieren, dass es sich eines Tages ändern könnte. Und der Dank, lieber haushundhirschblog gebührt Herrn Vishniac und seiner gerechten Wut.

  4. Weil ich es sehr sehr schätze und weil es hier her passt noch diese Ergänzung von Véronique Tadjo aus „Allem und jedem zum Trotz“

    „Seht meinen Mund an, er ist sauber. Ich habe ihn mit reinem
    Wasser gewaschen. Ich habe an der Quelle der Toleranz getrunken.
    Seht meine Ohren an, sie sind gesund. Ich habe nichts gehört
    von den Beschimpfungen, die ihr ausgestoßen habt, von den üblen
    Namen, mit denen ihr mich belegt habt.
    Seht meine Augen gut an, sie sind klar; ich habe nichts als die
    Zukunft gesehen, die Pupillen fest auf die Utopie kommender Tage
    gerichtet.“

  5. Das ist ein Fluch. Wenn man niemanden retten kann und nur noch zu erinnern vermag. Auch wenn das Erinnern wichtig ist, sehr wichtig sogar, macht es die Gemetzelten zu ruhelosen Geistern, die nicht einmal im Tod Ruhe finden dürfen. Und das Erinnern lehrt uns noch nicht daraus zu lernen, es auf unser Leben zu übertragen. Das ist das, was mich in meiner eigenen Auseinandersetzung doch sehr traurig macht. Auch das Erinnern hat seine Fallen und die Frage ist, ob es einen Weg gibt, sich „richtig“ zu erinnern…

  6. Das ist tatsächlich eine sehr weitreichende Frage, ob es eine Weg gibt, sich „richtig“ zu erinnern. Allerdings glaube ich, es ist immer noch besser sich möglicherweise nicht ganz richtig zu erinnern, als sich gar nicht zu erinnern. Aber was ist eigentlich „Erinnern“? Wie viel hat das mit Fakten zu tun und wie viel mit anderen Ablagerungen? Mit Gefühlen, verdrängten und unangenehmen, schmerzhaften und aufwühlenden?
    Erinnern allein genügt vermutlich nicht, auch während des Erinnerns muss man lernen zu begreifen.
    ich danke Dir sehr für Deinen sehr feinsinnigen Kommentar.

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