1997

In Deutschland sind eine Millionen Haushalte ans Internet angeschlossen. Kofi Anan wird Generalsekretär der UNO. Kinder aus der Türkei, Marokko, Tunesien und den Nachfolgestaaten des früheren Jugoslawien wird die Einreise nach Deutschland nur noch mit Einreisevisum gewährt. Auf Salman Rushie werden 2,5 Millionen Dollar Kopfgeld ausgesetzt.

Das Studium schleppt sich hin, die Wohnungssituation ist unerfreulich, eine wichtige Freundschaft geht kaputt.

Nach mehr als 25 Jahren politischer Diskussion billigt der Bundestag ein Gesetz, das Vergewaltigung in der Ehe als Verbrechen ahndet. In Brandenburg brechen die Deiche unter den Oderfluten.

Jurek Becker und Mutter Teresa sterben. Dario Fo bekommt den Literaturnobelpreis. Im Kino läuft  „Men in Black“.

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16 Gedanken zu “1997

  1. Erinnerst du dich vielleicht an die Argumente gegen das Gesetz, dass Vergewaltigung in der Ehe auch eine ist? Ich muss sie völlig verdrängt haben. Erst 1997. Das ist echt heftig.

    Men in Black, was das für’n Hype war. Ich bin damals nicht reingegangen und hab‘ ihn mir auch nie angesehen.

    1. ich habe nicht die leiseste Ahnung, welche Argumente es gegeben haben könnte, um 25 Jahre lang über etwas zu diskutieren, das völlig fraglos ein Verbrechen ist. Ich kann das auch immer kaum glauben, wie viele Dinge, die selbstverständlich sind (inzwischen, zum Glück) erst so jung sind.
      Und was die Men in Black angeht, ich habe einmal versucht den Film zu sehen, es gab so ein „Ein Dollar Kino“ hier, wo man für zwei Mark die gerade aus Programmen genommenen Filme ansehen konnte, aber die Schlange war so lang, dass ich es wieder aufgegeben habe.

  2. Danke für diesen Rückblick auf die „gar nicht so gute“ alte Zeit. Vergewaltigung in der Ehe. Immer noch ein heikles Thema, auch wenn jetzt justiziabel. Bei zu vielen Frauen kommt immer noch die Entschuldigung für den gewalttätigen Gatten: Er meint es doch gar nicht böse… Er hat nur den Kopf verloren…. Sonst ist er wirklich lieb… Haaa
    Dazu kommt denn noch, dass wenn du als Frau eine Vergewaltigung, besonders eine im häuslichen Bereich, anzeigst, du durch die Behörden noch einmal vergewaltigt wirst. Da liegt noch viel im Argen. Aber das Gesetz ist ein Anfang.
    alles Liebe Karin

    1. Gewalt ist immer noch ein Thema, das nicht hinreichend bearbeitet ist. Auch die ganze strukturelle Gewalt, die du ansprichst, die den Frauen auf dem Weg durch die Behörden zugemutet und angetan wird.
      Danke für Deinen Kommentar.

  3. Gunther von Hagens Körperwelten habe ich vor nicht allzu langer Zeit gesehen, und die größte Überraschung war, wie unbeseelt die präparierten Körper tatsächlich auf mich wirkten und dadurch zu reinen Anschauungsobjekten wurden.

  4. So ging und geht es mir auch damit. Ich weiß nicht, was genau ich daran am meisten unangenehm, falsch und abstoßend finde. Vielleicht kommt da so einiges zusammen. Während wir uns hier mit dem Tod, dem Sterben und den Toten so schwer tun – alles, zumindest vieles dabei im Hintergrund zu geschehen hat – rennen die Menschen in Scharen zu einem Event, um dann vielleicht doch einmal dem Faszinosum Leben-Sterben-Tod auf ästhetische Weise zu begegnen. Mir bleibt das fremd.
    Liebe Mützenfalterin, Deine Texte in dem Buch „Flüsse ausgraben“ haben uns sehr angesprochen! Fasziniert hat uns der Regenmann. Wir wünschen Dir ganz viele interessierte Leserinnen und Leser! Du schreibst in einer uns sehr erreichenden Weise.
    mb

    1. Ich finde es noch nicht einmal ästhetisch, liebe m., aber du beschreibst diesen Zwiespalt sehr gut, diese Weigerung sich wirklich mit Tod und Sterben auseinander zu setzen und den Run auf ein Event auf der anderen Seite.
      Über euer Kompliment freue ich mich riesig. Vielen Dank. Und schön, dass ein Buch über Bielefeld auch nicht Bielefelder erreicht.

  5. Ist das 1997 ein Gedicht von dir? Es erinnert ein wenig an das Gedicht „1886“ von Gottfried Benn. Da gibt es auch eine Ansammlung von Ereignissen, die in dem genannten Jahr passierten. Ansonsten aber ein schöner Beitrag!

    1. Entschuldige, dass die Antwort auf sich warten ließ, aber ich sitze nicht den ganzen Tag vor dem Computer. Nein, der Beitrag ist eher von Matthias Göritz inspiriert. Ich hatte das mal irgendwo in den Kommentaren geschrieben. Ich glaube das Gedicht hieß die zerstörte Stadt, es standen große Weltereignisse und die kleinen Dinge des Lebens nebeneinander und das hat mich letztendlich auf die Idee gebracht, einen Jahresrückblick in hundert Worten zu versuchen, wobei nur ein Satz (manchmal sind es zwei kurze Sätze), sich um das persönliche Leben eines einzelnen Menschen drehen sollten. Ich werde gleich mal nach dem Benn Gedicht suchen. Danke für den Hinweis, für das Interesse und überhaupt für den Kommentar.

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