Vom Lieben

Im Café sitzen, den Kaffee vor der Nase, den Platz am Fenster mit Blick auf die Nebenstraßen. Eigentlich gar nichts tun wollen, nur ab und zu einen Blick auf die Preisschilder vom Blumenladen, die der Wind auf den Weg treibt und dann diese Frage stellen; „Woran merken Sie, dass Sie jemanden lieben?“ Irgendjemandem diese Frage stellen und sich dann freuen über den entgeisterten Blick, ertappt, verunsichert, ärgerlich, und nur der sehr junge, frisch verliebte Mann mit einem Strahlen auf den Lippen und dann hält er einem den Zettel entgegen: Ich bin taubstumm. Bitte helfen Sie mir. Jetzt ist man selbst verunsichert und fragt ihn: „Was soll das bedeuten?“ Und er lacht und holt einen Zettel aus der Tasche. Darauf steht: Ich habe Hunger. Aber er dreht ihn um und schreibt: Aber lesen kann ich. Sogar in den Gesichtern. Und deswegen weiß ich, dass ich jemanden liebe.

6 Gedanken zu “Vom Lieben

  1. Was für eine wunderbare Geschichte. Und seine Anwort am Ende … Wenn ich genauer weiß, was mich daran so berührt hat, melde ich mich nochmal. Vielleicht liegt es an dem Zusammenspiel zwischen Liebe und Hunger. Und der taubstummen Person, die trotz Hunger soviel mehr vernehmen konnte als die konsumgestresste Umgebung. Ich weiß es noch nicht genau. Aber ich mag die Geschichte sehr.

  2. liebe ist von worten unabhängig. weder gesagte, noch gedachte und geschriebene können liebe wirklich fassen. deine geschichte, die wunderbar in worte gefasst ist, illustriert das wunderbar. danke fürs teilen!

    die idee, auf der straße menschen mit dieser frage anzusprechen, ist übrigens genial.

    1. ich habe gerade ein buch gelesen, über die zehn möglichen gründe, warum denken traurig macht und dort stand u.a. genau das, dass wir nicht ausdrücken können was wir fühlen und wenn wir meinen, wir könnten es ausdrücken, dann können wir immer noch nicht sicher sein, ob der andere uns fehlerfrei übersetzt. vielleicht ist es eine möglichkeit in den gesichtern zu lesen. danke für dein lob. das tut immer wieder gut.

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