There is so much love to do

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Rom

In Rom wuchs mir einmal Nebel aus dem Zeigefinger, weil ich nie dort war. Weil dort ein Unort war und ich auf der Suche, das heißt abseits des Weges. Und blind für Zeichen, aber froh über die Botschaften, die ich nicht verstand. Wer braucht schon meinen Verstand, dachte ich. Ich wollte die Gedanken so gerne in Nebel verwandeln, dann hätte mein Zeigefinger mir Rom vernebelt.

Das

Wie ein nüchterner Ratschlag fühlte es sich an. Man konnte genauso gut liegen bleiben, die Schmerzen kultivieren, das Nichtstun. Dem Regen zuhören. Von einem Traum in den nächsten gleiten. Die Zungen der Lieblosen anschweigen und auf ein Ende warten. Das Ende wagt man nicht zu schreiben. Das Ende bereitet nach wie vor zu viel Angst. Die Zeit wird kommen, aber jetzt bin ich da.

Jeder Versuch einer Antwort ist eine Lüge

Das bewundern die Leute, wenn sich einer nicht aus der Ruhe bringen lässt. Wie er überhaupt hinein gekommen ist, in diese Ruhe, danach fragt niemand. Außer mir. Aber ich frage nur mich. Ich habe keine Stimme. Die Frage zu stellen, würde mich aus der Ruhe bringen, die ich nicht ansatzweise gefunden habe. Ich breche die Dinge ab, wenn sie beginnen eine Richtung zu verfolgen. Ich frage mich nicht, warum ich das tue. Ich bemerke es. Niemand stellt mir Fragen. Jeder Versuch einer Antwort ist eine Lüge.

Gedankenfetzen

Sonne, Mond und Sterne. Die Anerkennung fremder Gedanken. Die Anerkennung der eigenen Ahnungslosigkeit. Trauerränder.

Der Versuch, immer weiter zu machen, wieder anzufangen. Die Angst anzuerkennen, wahr zu nehmen, ihr einen Platz geben und trotzdem fortfahren. Fortfahren im Stillstand. Die Worte abwägen und verwerfen. Neue Worte finden und ausprobieren, jenseits von Angst und Zuversicht, jenseits von Liebe und Hass.

Die Gegenwart, der Gegenspieler. Wogegen? Gegen den Tag, die Nacht, die Vergangenheit? Gegen den Stillstand und für den Moment?

Die Sprache, die immer mehr weiß, als der, der sie spricht.

1998

In Deutschland fällt das Postmonopol. Rußland ist praktisch zahlungsunfähig. Die USA erzielen erstmals seit 1969 einen Haushaltsüberschuss. Mit Kundgebungen und Mahnwachen protestieren 40.000 Arbeitslose in  200 deutschen Städten gegen die hohe Arbeitslosigkeit. Anlass ist die Arbeitslosenquote von 12,6 Prozent.

Die Frau lebt mit Mann und Hund in einer Dachgeschosswohnung, die frei wurde, weil die vorher dort lebende Mutter mit ihren zwei Kindern nach Bosnien zurückgekehrt ist.

Die Grünen plädieren in ihrem Wahlprogramm für eine Anhebung des Benzinpreises auf fünf D-Mark pro Liter im Verlauf der nächsten zehn Jahre. José Saramago bekommt den Literaturnobelpreis. Frank Sinatra und Niklas Luhmann sterben. Im Kino läuft „Lola rennt.“