1978

Die roten Brigaden entführen und ermorden Aldo Moro. Der baden-württembergische Verwaltungsgerichtshof kann der NPD keine verfassungsfeindliche Ziele nachweisen.

Astrid Lindgren erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Das erste Retortenbaby kommt zur Welt. Die DDR führt Wehrunterricht an den Schulen ein. 

Das Kind liegt eine Woche im Koma, bevor es aufwacht. Auch später kann es sich nicht erinnern, warum es einfach mitten in den Verkehr gelaufen ist.

Nach blutigen Unruhen tritt die Regierung unter Jaffar Sharif-Emami zurück. Der Schah von Persien, Mohammad Resa Pahlawi setzt eine Militärregierung ein.

Auf Befehl ihres Anführers Jim Jones begehen über 900 Mitglieder der Sekte Tempel des Volkes Selbstmord.

 

Cindy Sherman - Untitled Film Stills # 15, 1978

 

Advertisements

9 Gedanken zu “1978

  1. Ich glaube, bei einer Monarchie ist das „normal“, dass das Militär unter dem König steht und ihm gehorcht. 1977 hat er übrigens Neuwahlen angekündigt, die von Khomeini, von BBC und vom Rest des Klerus verseuchte Unterschicht wollte aber nichts davon hören. Die Sache mit den Pahlavis ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Vor allem, wenn man dazu fast nur jene Quellen jener Länder zur Hand hat, die von seinem Sturz profitierten. (Traurig aber wahr) Vielleicht werde ich einmal einen großen Überblicksartikel darüber schreiben, mit Zeitzeugenquellen. Menschen, die bei der Revolution dabei waren (Onkel, Großeltern, Bekannte, entfernte Verwandte, Oppositionelle), die einiges aufklären können.

    Das mit dem Sektenselbstmord ist heftig. Dieses Phänomen versuchen Forscher immer wieder zu verstehen, es gibt viele interessante Erklärungsansätze.

    Meinst du mit dem Retortenbaby das erste Kind durch die künstliche Befruchtung? Ich sehe diese Entwicklung eigentlich mit einem ganz guten Gefühl. Damals dachten viele, da würden jetzt irgendwelche Zombies aus den Müttern rauskommen.

    1. Ich würde mich freuen, wenn Du das machst, diesen Zeitzeugenbericht. Es gibt so viele Lücken, so viele Mißverständnisse, weil man die Leerstellen mit irgendwelche einfachen Lügen füllt.
      Ja, mit dem Retortenbaby meine ich das erste außerhalb des Mutterleibs gezeugte Kind. Ich glaube auch, dass es für viele Menschen eine unvorstellbare Erleichterung, ein „Segen“ sein muss, diese – trotz allem ja sehr beschwerliche und irgendwie auch entwürdigende – Prozedur, die es dann trotz biologischer „Mängel“ erlaubt, dennoch „eigene“ Kinder zu bekommen. Trotzdem habe ich der Sache immer eher ablehnend gegenübergestanden. Ich bin mir sicher, ich wäre diesen Schritt niemals gegangen, wenn ich aus irgendeinem Grund nicht auf natürlichem Weg schwanger geworden wäre.
      Und die andere Seite ist die der Kinder, wann sagen die Eltern ihnen das? Sagen sie es überhaupt? Und wie kommt ein Kind dann damit zurecht. Es gibt immer so viele Implikationen, wenn man „natürliche“ Wege aufbricht, deren Reichweite man unmöglich absehen kann.

      1. Ich glaube, ich könnte das meinem Kind sagen. Denn für mich ist das nichts anderes als eine Art medizinische Hilfe. „Ich bin krank. Mein hormonelles Ungleichgewicht hat es uns unmöglich gemacht, dass ich fruchtbar bin oder dass ich dich hätte ohne Risiken austragen können. Deshalb haben uns Ärzte dabei geholfen.“ Ich überlege gerade, was daran so schlimm wäre. Wo ist der Unterschied zu einem Notkaiserschnitt, ohne diesen das Kind auch gestorben wäre? Oder Medikamente, die die Wehen unterdrücken und so Fehlgeburten verhindern. Ich sehe das nicht so kritisch, glaube ich. Für mich ist es nur ein: Wir führen zusammen, was von alleine nicht zusammengeführt werden konnte, weil die Mutter krank ist.“ Krankheit ist ja keine Sünde. Und dass man all die Risiken für das eigene Kind doch noch auf sich genommen hat, kann dem Kind vielleicht ein gutes Gefühl geben. Ein „unbedingt gewolltes“. Ich kann’s natürlich nicht mit 100%er Sicherheit sagen. Aber ich glaube, mir würde es als Kind nichts ausmachen. Für mich ist das einfach eine medizinische Intervention.

      2. Natürlich, das verstehe ich. Ich habe da wohl, als ich das geschrieben habe, selbst noch nicht richtig Ordnung in meine Gedanken gebracht. (Obwohl ich es trotzdem nicht getan hätte, ich bin in der Beziehung irgendwie fatalistisch, als ich schwanger geworden bin, war das auch nicht geplant, aber ich habe gedacht: okay, so ist es, dann ist es auch gut und ebenso hätte ich es wohl akzeptiert, wenn ich (auch nach Planung) nicht schwanger geworden wäre, ich hätte vermutet, dass es irgendeinen höheren Sinn hat. Das mag albern klingen oder esoterisch, aber so denke ich. Und einen Kind, bei dem zwei Partner, die das Kind wollen und aus irgendwelchen Gründen biologisch nicht auf natürlichem Wege dazu im Stande sind, muss man vermutlich nicht viel erklären. Ich dachte bei diesem Punkt eher an Leihmütter und Kinder aus der Samenbank. Obwohl das eine ganz andere Geschichte ist. Weißt du, was mir gerade auffällt? Wie wenig „natürlich“ Kinderhaben heute ist, wo die Grenzen der Natur in beide Richtungen so manipulierbar geworden sind.

  2. Das verstehe ich, liebe Mützenfalterin. Ich find’s auch nicht schlimm, wenn man in dieser Frage sozusagen „Gottes Wille“ einfach akzeptiert. Meine Gedanken beziehen sich vor allem auf unser gesundheitliche Problem, dem wir heute gegenüber stehen und das solche Behandlungen wohl notwendig macht. Extrem viele Frauen werden durch die falsche Ernährung und eine Östrogen-Insulin-Dominanz und des Progesteronmangels „unfruchtbar“, oder es kommt bei ihnen immer zu Komplikationen während der Schwangerschaft. Auch die Androgenisierung von Frauen nimmt zu, gerade eben aufgrund der kohlenhydratreichen Ernährung, dem zu hohen Insulinspiegel (Mästhormon), der zu mehr männlichen Hormonen führt, so dass die Eierstöcke irgendwie PCO verursachen. Deshalb finde ich die Option gut und wichtig. Es ist eben eine Option, so wie die Abtreibung. Ich würde sie vermutlich niemals in Anspruch nehmen (außer, oh Gott, bei einer Vergewaltigung, und selbst da weiß ich noch nicht, ich weiß es nicht), aber empfinde die Option als wichtig. Ich denke, darüber sind wir uns sowieso einig.

    Ich wünsch‘ dir einen schönen Sonntag. Und doch ja, ich bin aus Köln, das war schon richtig. Wir haben gestern nur einen Abstecher gemacht. Und ich wusste, dass dir die einsame Bank am liebsten sein wird. Inzwischen kenne ich dich einwenig. Bilde ich mir zumindest ein.

  3. Ach, du hattest auch so einen fast tödlichen Unfall?! Ich auch, zehn Jahre früher, mit drei.

    Deine Jahresrückschauen fand und finde ich noch immer äußerst berührend.

    Einiges habe ich ja auch erlebt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s