18 Gedanken zu “Martin Kippenberger

      1. Es ermöglicht einem freie Interpretationswahl, das stimmt. Mir ist sofort der Satz aufgesprungen und sofort kamen mir Asylanten in Gedanken, die z.B. in Österreich Jahre lang leben, zur Schule gehen, arbeiten etc. und auf einmal abgeschoben werden. Wobei es vor allem für junge Asylanten doch so ist, dass z.B. dann Österreich die eigene Heimat ist. Der Fall Arigona (ich glaub, sie heißt so) ist uns vllt allen bekannt.

        Oder: auf diesen Mann wartet eine böse Frau daheim. 😛

      2. Ah stimmt. An Asylanten hatte ich tatsächlich gar nicht gedacht. Zu Hause ist ja sowieso eine Sache, die sehr diffus wird, wenn man anfängt darüber nachzudenken, auf eine Art darüber nachzudenken, auf die wir zum Glück niemals nachdenken mussten. Ich lese gerade Jáchymov von Haslinger, da geht es ja um die tschechische Eishockeymannschaft, die geschlossen inhaftiert wurde, und insbesondere um den Torman Bohumil Modrý, den es am härtesten getroffen hat, der die längste Haftzeit (15 Jahre!) erhielt und schließlich nur noch zum Sterben nach Hause durfte. Da geht es auch viel um Heimat, um Zuhause, darum wie schwer es ist, „einfach“ die Heimat zu verlassen…

  1. Der Satz ist wirklich gut. Er erinnert mich im ersten Moment an Selbstmordattentäter, die ihr Handeln durch das Leben danach im Paradies mit den Zig Jungfrauen begründen. Im zweiten Moment erinnert es mich an das deterministische Schicksalsystem, auf dessen Grundlage das Kastensystem in Indien z.B. aufrecht erhalten wird. „Die Kasten sind eine natürliche Konsequenz des schlechten Karmas. Du warst im vorherigen Leben ein übler Mensch, dass du nun da bist, wo du bist und ich hier oben, wo ich bin, ist völlig legitim und gott-gewollt.“

    Aber es bedeutet auch soviel mehr. Es kann sich auch auf Menschen beziehen, die den Nutzen einer schwierigen Vergangenheit für die Erklärung des eigenen Versagens erkannt haben und die es sich so in ihrem Statussessel bequem machen.

    „Bitte nicht nach Hause schicken …“ für mich sieht das aus, als würde ein Außenseiter akzeptieren, dass er zwar ignoriert wird, aber darum bittet, sein Heim behalten zu dürfen trotz seiner Andersartigkeit. Soziale Sanktionen kommen mir da in den Sinn. Ausgrenzung, Ignoranz – direkt getriggert durch Menschen, die den Mut zur „Freiheit“ / Handlungsfreiheit haben.

  2. Ja, Sherry, ich fand den Satz auch umwerfend. [Ebenso wie deine Interpretation]
    Was mich so fertig macht bei dem Bild, ist dieser Gesichtsausdruck und dass er den Satz als Schild um die Brust trägt, das erinnert mich an schreckliche Dinge, an Ausgrenzung der schrecklichsten Art, an Spießrutenlaufen… und dann steht da aber „bitte nicht nach Hause schicken“, das ist erst einmal irritierend. Zu Hause, das ist doch gut, da will man doch hin, wenn es einem schlecht geht… Und dann fängt das Denken an.

    1. Das ist gerade total heftig für mich. Ich bin es so sehr gewöhnt, dass ich nicht Zuhause bin (nicht in meiner Heimat) und auch jetzt in der seit 32 Jahre anhaltenden Mullah-Diktatur nicht nach Hause will, dass mir dieser für dich widersprüchlich klingende Satz gar nicht ins Auge gefallen ist. Für mich ist es normal, es Zuhause nicht gut zu haben und sich dort, wo man es besser hat (zumindest rein situativ) nicht ganz Zuhause fühlt. Eine schmerzhafte Normalität, aber eben eine Normalität.

      Wieder ein beeindruckender Beleg dafür, wie die Lebensgeschichte die Wahrnehmung beeinflusst.

  3. Ja. Und ich finde es traurig, aber wichtig, dass Du das schreibst und sagst, dass wir Priviligierten uns das immer mal wieder vor Augen führen, damit solche Situation wie in Lampedusa kürzlich endlich aufhören, damit die satten Wohlstandsbürger endlich wenigstens versuchen zu realisieren, dass niemand leichter Dinge seine Heimat verlässt. Das ist immer ein schmerzhafter Prozess und braucht wahrlich nicht zusätzliche Häme und Beschimpfungen, Unterstellungen und allerlei Hindernisse. Es gibt eben viele Wahrheiten und das sollte man nie vergessen.

  4. hallo, unglaublich, aber wahr: ich habe eine gute freundin in hamburg, die zwei jahre mit kippi in einer großen wg zusammen gewohnt hat, und ich habe sein arbeiten immer klasse gefunden. so klein ist die welt.
    glg von hendrik

      1. darüber kann ich hier nicht so ohne weiteres referieren, nur soviel: intelligent, eigensinniger humor, sehr direkt, frauen…usw, und meine hbger freundin mochte seine kunst nicht so sehr…
        glg von hendrik

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