Ulrich Koch

 

In einem Interview mit der Zeit, sagte Ulrich Koch, der kürzlich den Hugo Ball Preis bekommen hat, aber schon lange sehr gute Gedichte schreibt, „ein gutes Gedicht muss auf unwiderstehlich sanfte Art und Weise traurig machen.“

Dieser Zweifel an allem, den Marguerite Duras als unabdingbar für das Schreiben betrachtet, findet sich in jedem Gedicht von Ulrich Koch, zusammen mit dem Blick auf Schönheit, Träume und Illusion.

 

14 Gedanken zu “Ulrich Koch

  1. Ein Gedicht muss gar nichts machen, das
    sind die Besten, weil der Dichter es bereits mit seiner Axt
    verjagt hat, was natürlich schon wieder traurig ist.

    Kann dieser Kommentar bestehen?

  2. ob dieser Kommentar bestehen kann, weiß ich nicht. Er kann gelesen werden. Das muss ihm genügen. Der Kuchen, der gerade im Ofen vor sich hin backt, wird auch nicht bestehen, aber hoffentlich genossen werden… Und Ulrich Koch wird noch viele schöne Gedichte schreiben. Und Sie vermutlich noch viele Kommentare…

  3. Ein schönes Zitat von Ulrich Koch, das Du zitierst. Und wenn wir uns einige Gedichte gerade vorstellen, die für uns einmal eine Rolle gespielt haben oder irgendwie wichtig waren, dann trifft dies auch zu. Leider haben wir häufig nur bedingt Zugang zur Lyrik, was uns manchmal selbst ein wenig wundert.

    1. ich habe sehr lange gebraucht, um zugang zur lyrik zu finden. viel zeit und die richtigen menschen, die mir das näher bringen konnten. aber nun, da ich sie entdeckt habe, könnte ich nicht mehr darauf verzichten.

  4. Nicht nur. Ich stoße auf Gedichte, die genau das sagen, was mir auf der Zunge liegt oder ich dafür keine Worte finden kann, und die gefallen mir auch. Am besten finde ich diese Gedichte, die nicht typisch sind, denn Gedichte über Liebe, Freundschaf oder so gibt es und egal wie man es wendet oder dreht, meistens besitzen sie die selben Wörter und es ist nichts, was man nicht schon selbst gedacht oder gehört oder gelesen hat. Ich liebe Gedichte, bei denen es sich um die Gesellschaft und das System handelt. Diese müssen nicht unbedingt traurig sein. Ich liebe es, wenn Fakten so poetisch ausgedrückt werden oder so geheimnisvoll, die einem eine freie Interpretationswahl ermöglichen, denn so kann man das jeweilige Gedicht an die eigene Situation anpassen und meistens gibt es da kein „wahr“ oder „falsch“.

    1. Das kann ich nachvollziehen. Ich habe einmal einen Gedichtband zu einem damals hochaktuellen gesellschaftlichen Thema gelesen: „Von einem Land und vom andern. Gedichte zur deutschen Wende 1989/1990“. Es war wie Nachhilfe in einem Bereich, der mir bis dahin gänzlich fremd war, weil es für mich damals kein drängendes Thema war. Trotzdem hat es mich fasziniert.
      Bei Liebesgedichten schalte ich meist ab. Hier bildet aber immer noch Erich Fried eine Ausnahme. Vermutlich aus rein nostalgischen Gründen, weil sie zu einer persönlich wichtigen Zeit Raum griffen.

    2. wahr und falsch gibt es bei gedichten noch weniger als irgendwo sonst, da gebe ich dir recht, aber ein wirklich gutes gedicht, das muss für mich über die oberfläche hinausgehen, das muss einen blick ermöglichen, den ich so vorher nicht hatte und meistens liegt da zumindest ein wenig traurigkeit, wenn man tief genug blickt.

    1. ja liebe litblogTheorie, ich gratuliere mir auch zu meinen lesern, so vielfältig, die einen zeichnen, die anderen suchen, wieder andere fotografieren oder meditieren, manche lieben liebesgedichte und andere eben nicht.

  5. Ich liebte nicht

    Ich liebte nicht die Totenkopfhusaren

    Und nicht die Mörser mit den Mädchennamen

    Und als am End die großen Tage kamen,

    Da bin ich unauffällig weggefahren.

    Gott sei’s geklagt und ihnen, meine Damen:

    Gleich Absalom blieb ich an langen Haaren,

    Dieweil sie schluchzten über Totenbahren

    Im Wehbaum hängen aller ihrer Dramen.

    Sie werden auch in diesen Versen finden

    Manch Marterspiel und stürzend Abenteuer.

    Man stirbt nicht nur durch Minen und durch Flinten.

    Man wird nicht von Granaten nur zerrissen.

    In meine Nächte drangen Ungeheuer,

    Die mich die Hölle wohl empfinden ließen.

    (Hugo Ball)

  6. Einer Verdammten

    [19] Ha, wie sie heuchlerisch entrüstet,

    Sich hüllen in die Kutten der Moral

    Und wie Papa vertraulich flüstert:

    »Mama, dies ist ein offener Skandal«.

    Die hohe Gattin nickt verständlich

    Und vor »Empörung« brennend rot

    Ruft sie: »Von Denen ist es schändlich

    Uns schützt vor Kindersegen doch der liebe Gott.«

    (Hugo Ball)

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