Schicksal

  

Kann man an das Schicksal glauben und Joan Didion lesen?

Was überhaupt meint Schicksal?

Geschick, schicken, sehr viel mehr finde ich nicht im etymologischen Wörterbuch, das mir sonst schon aus mancher Denksackgasse geholfen hat.

Ist das Schicksal? Oder Zufall? Ist Schicksal das Gegenteil von Zufall?

Besteht Schicksal darin, jeden Zufall als vorherbestimmt anzusehen. Als etwas, das uns von vornherein bestimmt war?

Und wenn uns Entwicklung bestimmt war, dann findet sie eben durch diese schicksalhaften Zufälle statt?

Und was man dann mit dem Zufall macht, ob man ihn als schicksalhaft gegeben hinnimmt, oder ihn als Zufall bekämpft oder missachtet, ist das Schicksal oder Charakter?

Kann man an das Schicksal glauben und ein Leben führen, oder muss man sich dann führen lassen? Oder ist es am Ende immer eine Frage der Definition, ob ich die Ereignisse, die mir zustoßen, Schicksal nenne, oder Zufall?

 

Ich glaube an beides. Ich glaube an Zufälle und an das Schicksal. Ich glaube, dass jedem von uns rein zufällig Dinge zustoßen und dass doch jeder von uns sein eigenes, kaum abänderliches, weil von ihm und seinem Charakter bestimmtes, Schicksal hat.

26 Gedanken zu “Schicksal

  1. Das sind Fragen, die mich bis vor wenigen Jahren in eine sonderbare Erschöpfung treiben konnten. Es gab Phasen, da glaubte ich entweder an das eine oder das andere. Dann glaubte ich an beides. Heute hat sich das zu einem Nebel entzogen. Es ist merkwürdig … Weil es mir so wichtig war – sonst hätte es mich nicht so kräftezerrend beschäftigt – war es wohl auch wichtig für mich, da zu einem eigenen Glauben zu finden. Aber wollte ich mich mit Spekulationen begnügen? Irgendwie nicht. Ich wollte Sicherheit – nur die gibt es ja nicht. — Als mich das alles zu sehr erschöpft hatte, ließ ich davon ab. Nicht wirklich willentlich, sondern auf kraftlose Weise. Heute stehe ich dümmer da als je zuvor. Mit leeren Händen und leerem Mund. — Zufall oder Schicksal … ich wage nicht, es erneut anzupacken und rede mir ein: Ob Zufall oder Schicksal, entscheidend ist, es aktiv in die Hand zu nehmen, was das Leben einem zuspielt. Aber ich argwöhne, das rede ich mir nur ein, um mich vor erneuter Erschöpfung zu bewahren?

    1. Möglicherweise ist keiner der Begriffe geeignet, das zu beschreiben, was einem im Laufe eines Lebens widerfährt. Denn letztendlich ist es doch der Wandel, der das Leben bestimmt.
      Oder wie Joan Didion es ausdrückt: „Ein Berg ist eine vorübergehende Anpassung an Druck, und das Ich ist vielleicht eine ganz ähnliche Anpassung.“

  2. In sein Tagebuch 1946-1949 schrieb Max Frisch: „Am Ende ist es immer das Fälligste, was uns zufällt.“ Sinngemäß fällt uns nur das zu, wofür wir im Moment des Zufalls auch eine Antenne haben. Alles andere, was uns in dem Moment auch zufallen könnte, erreicht uns nicht, weil es uns (noch) nichts angeht. In diesem Sinne denke ich, ist der Zufall möglicherweise eingebettet in einen größeren Zusammenhang, den man dann vielleicht Schicksal nennen könnte?

  3. Ich habe mich damit abegfunden, dass es keine schicksallhaften Zufälle in meinem Leben gibt. Beide Wörter umschreiben Situatuationen und Begenungen die für uns plötzlich und womöglich ohne Logik entstanden sind. Aber ich bin es der meinen Lebensfilm dreht und die Handlungen erdenkt, ob es dafür einen Beweis gibt der sich erdenken und belegen lässt?
    Vielleicht diese gerade niedergeschriebenen Gedanken

  4. Da ist ja der kleine Haken, ab wann ist eine Überraschung kein Zufall, kein Schicksal? Aber das in Worte zu fassen, dafür fehlen mir die Worte. Das ist mehr deine Kunst. Wäre ja auch blöd, wenn wir hier zufällig das Geheimnis der Zufälle und all der Schicksalsschläge aufdecken würden. Dann müsste man wieder neue Wörter für das „Aufgedeckte“ finden und von diesen gibt es im Moment ja mehr als genug ( also den neuen Wörtern ). Herr Nix muss erst mal mit den ganzen Alten zurecht kommen:-)

      1. Ich habe dieses Zitat noch gefunden, mehr schaffen meine „venschnupften“ Gedanken nicht mehr:-):
        Was wir tun können, hängt nicht von uns ab, aber von uns hängt es ab, daß wir es tun.
        Nicolás Gómez Dávila

    1. das ist eben die Frage. Geschehen die Dinge ohnehin, oder haben wir Einfluss, hat unsere Haltung, unser Denken, unsere Perspektive die Macht, die Dinge zu verändern, oder passen wir uns immerzu nur an?

      1. Ich denke tatsächlich „Schicksal geschieht“. Für mich ist das eine wichtig gewordene Aussage. Vermutlich haben wir immer eine Art „Einfluss“ auf einen Teil dessen, was wir sind und was wir leben. Wir können versuchen gesund zu leben, Gefahren zu meiden oder uns auch ganz bewusst Ängsten aussetzen und zu stellen – das ist sehr individuell, und vielleicht dient es jeweils derm eigenen Versuch, ein Bruchteil des Lebens bewusst steuern zu wollen. Wir machen es ja alle irgendwie so. Wichtiger ist dann für mich aber vermutlich die Haltung zu dem, was ich Schicksal, andere Vorherbestimmtheit oder Zufall nennen. Wenn ich die schwer behinderten Menschen sehe, mit denen ich arbeite, fasziniert mich deren unterschiedliche Haltung dazu am meisten. Manche fragen sich: Warum gerade ich? Andere fragen sich das nicht. Manche nur wenig. Wenn ich diese komplexen und ganz unterschiedlichen Menschen mit ihren diversen Einschränkungen (?) erlebe, stelle ich fest, dass manche ihre Erkränkung, die andere in den Suizid treiben würden, nicht einmal als Hemmnis oder Hürde in ihrem Leben zu allererst nennen würden. Mich fasziniert tatsächlich, wie viel „Macht“ das Denken, das Nachdenken über uns Selbst, mit allem, was wir so sind, hat. Der Gedanke an das Vorherbestimmte gehört für mich auch in diese Kategorie des Nachdenkens über uns selbst.
        Jetzt ist die Antwort recht lang geraten … vielen Dank für Deinen Text,, ich denke und schreibe (für mich) jetzt bestimmt noch mal länger darüber.
        mb

      2. ich habe zu danken, für diese ausführliche und sehr interessante antwort. nach diesen ausführungen interpretiere ich dein zitat „schicksal geschieht“ so, dass geschieht, was geschehen soll/wird, wie auch immer, und dennoch der einzelne, mit seinem „nachdenken über sich selbst“ einen gewissen einfluß darauf hat, welche auswirkungen es hat auf sein leben, die qualität dieses lebens.

  5. Ich schließe mich in etwa HausundHirsch an. Das Davilla Zitat umschreibt es ein wenig. Es ist wirklich nicht einfach in Worte zu fassen. Ich habe einmal auf dem Airport Thessaloniki eine kleine Geschichte erlebt. Im Gate warteten wir auf den Abflug. Ich telefonierte und schaute auf das Rollfeld, plötzlich wurde mir ganz heiß im Kopf und ich bekam eine kleine Panik Attacke. Blitzartig beendete ich das Gespräch und ging zu meinem Kollegen und sagte ihm, dass etwas nicht stimmen würde mit der Maschine, ich würde wohl nicht mitfliegen. Um mich abzulenken kaufte ich mir damals eine Uhr:-).
    Ich diskutierte mit meinem Kollegen meinen Entschluss, bis plötzlich eine Durchsage kam, dass sich der Flug verzögern würde. Letztendlich wurde nicht geflogen, die Maschine war so defekt ( Stromversorgung ), dass eine Ersatzmaschine Crew und Passagiere am nächsten Morgen zurück flog.

    1. Danke für diese Geschichte. Allerdings ist mir immer noch nicht ganz klar, was du meinst: ich meine, diese Geschichte erzählt von beidem; von dem drohenden Schicksal, Opfer eines Flugzeugabsturzes zu werden, und von einer Sensibilität, einer Vorahnung, die warnt. Was ist nun Schicksal, die Gefahr, oder dass Du diese Warnung gespürt und ernst genommen hast? [Abgesehen davon, dass dann alles ganz anders kam.]

      1. Vielleicht war es ja keine Vorahnung sondern eine Aenderung meines vor langer Zeit gefassten , vergessenen Planes.
        Ist nur eine daher philosophierte Idee.

  6. Wow. Komplizierte Fragen.
    Und wenn ich das so lese, merke ich, dass ich mir darüber bisher wenig Gedanken gemacht habe, ob es nun Schicksal ist, Zufall, logische Folge meines vorherigen Handelns oder göttliche Vorsehung.
    In schlechten Momenten ärgere ich mich: So’n Scheiß. Warum ich? Warum jetzt? In guten Momenten denke ich mir: Okay, es ist wie es ist. Und irgendetwas werde ich schon daraus lernen sollen. Man wächst mit seinen Herausforderungen. Oder: Nützt nix, Augen zu und durch.

  7. ich denke, und fühle, das die dinge geschehen so ,oder so. wieviel einfluß habe ich? ich glaube, es ist immer das, was wir daraus machen. schicksal oder zufall. auf unsere eigene gewichtung kommt es an. dabei ist es egal, ob es so etwas, wie zufall oder schicksal überhaupt gibt. wir suchen nach erklärungen für die dinge, die sich zutragen, um einen sinn zu finden, oder vielleicht trost. ich weiß die antwort auch nicht. es ist vielleicht auch gar nicht wichtig…

    1. Ja. Genau das ist es, wir müssen für alles einen Sinn finden, alles soll sich auf etwas anderes beziehen und sinnvoll sein, und darüber vergeht das Leben. Als wären die Erklärungen wichtiger als die gelebten Momente.

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