Wir erzählen uns Geschichten

Wir erzählen uns. Aber nicht die Wahrheit. Nicht einmal die Wirklichkeit. Vielleicht weil wir diese Einsicht im Moment des Erzählens nicht haben. Vielleicht auch, weil wir letztendlich immer gezwungen sind, die von uns erzählten Geschichten selbst anzuhören und uns bewundern wollen. Stolz auf uns sein, oder wenigstens den Eindruck vermitteln, Mitleid zu verdienen. Wir werben (auch bei uns selbst) um Verständnis, nicht um Verstehen, um Einsicht, die womöglich Konsequenzen haben könnte, Schritte nach sich ziehen würde, während wir auf unserem Standpunkt beharren und damit auf unserem Recht, zu stehen und stehen zu bleiben.

17 Gedanken zu “Wir erzählen uns Geschichten

  1. so ist das mit der wahrheit. die kann ganz unterschiedlich schimmern. eventuell ist der grundton ein ähnlicher, aber die nuancen sind sehr vielfälltig…
    die geschichten die ich erzähle und erlebe werden meist in blau, grün braune gewänder gehüllt. und somit ist meine warheit dunkelbunt……(aber auch das wechselt von zeit zu zeit)

    wenn ich zu lange neben andersfarbigen geschichtenerzählern liege, kommt es ab und an zu vermischungen schönen und unschönen.

  2. „Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält, oder ein ganze Reihe von Geschichten.“
    – Max Frisch, Mein Name sei Gantenbein
    … Und die Mützenfalterin analysiert die Gründe dafür – groß!

  3. Unsere Erzählungen sind dazu da, um unser Leben in eine Art Kohärenz und Ordnung zu bringen. Wir entscheiden uns für ein bis zwei mythische Gestalten, die wir sein wollen, und aus der Perspektive dieser mythischen Gestalten erzählen wir unsere Geschichten und erfinden – ohne es direkt zu wissen – Elemente mit ein, die unseren persönlichen Mythos bei uns und bei den anderen bestärken.

    Das alles hast du wunderbar festgehalten. Hier.

  4. Geschichten über Geschichten: Erzählte, Erlebte, Geahnte, Erfundene, Geheime, Verschwiegene. Gerade heute habe ich viele Geschichten gehört. Auch wenn es die absolute Wahrheit in Geschichten nicht gibt, freue ich mich daran, sie gehört zu haben. In diesen Geschichten kam oft auch ich vor, und ich wurde mir nicht fremd. Interessant, der vom Erzähler abhängige subjektive Inhalt der Geschichten.

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