Die Masken der Freiheit

Manchmal habe ich das Bedürfnis aus der Anonymität auszubrechen, ganz persönliches von mir preiszugeben, ganz persönlich wahrgenommen zu werden, nicht länger hinter der Maske zurückzubleiben, die ich mir für diverse Blogs und Diskussionen aufsetze, die Rollen aufzugeben, die ich mehr schlecht als recht spiele und zu sagen, wer ich bin. Aber wer wäre ich, ohne all diese Masken, Rollen, Heimlichkeiten, ohne den ständigen Versuch, mehr zu sein, als ich bin?

 

Also werde ich weiter Mützen falten, über Gefängnisse und diejenigen, die sie fotografiert haben, diejenigen, die Jahre ihres Lebens dort verbracht haben und werde dabei etwas preisgeben von mir, von einer, die nicht weiß, was Freiheit ist, weil nie jemand anderes als sie selbst ihr jemals die Freiheit genommen hat.

30 Gedanken zu “Die Masken der Freiheit

  1. Streng genommen kann niemand mehr sein als er oder sie ist. Trotzdem finde ich jeden bedeutender. Wie ein Text, der nie nur Schrift und Worte ist. Menschen führen manchmal ähnliche Existenzen in den Räumen zwischen ich und Du. Ruhm wiederum ist eine andere Sache.

  2. Meinte den einen Versuch, mehr zu sein . Man könnte dann versuchen weniger zu sein oder einfach nur zu sein oder unsichtbar oder….

    1. Ein Beitrag zur Hypothesenbildung: Wenn man sich die Blogwelt so betrachtet (ich sach das mal ganz allgemein und nicht auf dieses Blog bezogen), könnte man auf die Idee kommen, das auch so zu formulieren: „Mit allem, was da so geschrieben wird, ist vielleicht sogar ein wenig Nicht-Stilisierung verbunden.“

  3. „Denn wir sind wie Baumstämme im Schnee. Scheinbar liegen sie glatt auf, und mit kleinem Anstoß sollte man sie wegschieben können. Nein, das kann man nicht, denn sie sind fest mit dem Boden verbunden, aber sieh, sogar das ist nur scheinbar.“
    Kafka

    1. Die Definition von Schluß erscheint mir auch sehr wage. Was die Masken angeht würde ich gerne etwas schlaues dazu sagen. Leider hat das ein anderer bereits so gründlich getan das mir keine Wahl bleibt als neidvoll zu zitieren:
      „Der Mensch ist am wenigsten er selbst, wenn er in eigener Person spricht. Gib ihm eine Maske, und er sagt die Wahrheit.“
      –Oscar Wilde

  4. Ich persönlich finde es ziemlich schlau, ein kluges Zitat an der richtigen Stelle wiedergeben zu können.
    Was das Zitat selbst angeht, finde ich es sehr interessant, bin mir aber nicht sicher, ob ich Herrn Wilde da folgen kann; die Masken würden dementsprechend jeweils Stücke der Wahrheit erkennbar werden lassen, die der Einzelne ohne Maske nicht zusammenfügen kann. Aber vermutlich ist es nicht bezüglich einer Selbsterkenntnis, sondern für das öffentliche Sprechen gemeint und dann ist es schon eine bestechende, vielsagende Logik, wenn man annimmt, dass in jeder Maske, die einer anlegt, unversehens ein Stück Wahrheit zu Tage gefördert wird.

  5. Die Masken die wir aufsetzen gehören doch zu unserer Wahrheit, Es ist ein dauernder Karneval, Ob wir uns als Wortakrobaten gebärden, öffentlich posen, uns mit Attributen des Luxus oder des Understatment kleiden… .
    Wir geben uns immer Rollen, zumindest die des Menschen für ein Leben.

  6. Das finde ich spannend, da ich gerade – nach fünf Jahren Bloggen unter Klarnamen – in die Anonymität flüchte. Ich spüre eine Sehnsucht danach, endlich meine Masken und Rollen wie neue Kleider spazieren zu tragen. Aber so richtig traue ich mich das auch noch nicht, weil es doch irgendwie unausgesprochene Versprechen sind … Ich frage mich beispielsweise, ob mein Übermut eine Maske ist, oder nicht doch etwas Wesentliches, das ich viel zu lange zurückgehalten habe, weil ich fürchte, gar nicht die Kraft dafür zu haben. Und, anderer Aspekt: die Masken und Rollen, die man auch beim Bloggen mit Klarnamen einnimmt, dienen oft nur meinem Schutz. Ich bin total empfindlich, muss immer gleich heulen und bin tierisch schnell eingeschnappt. Da sei immer eine Maske davor! 😉

  7. Ich wiederum finde sehr spannend, was Du da schreibst.
    Das Bloggen scheint mir überhaupt eine sehr paradoxe Angelegenheit zu sein, einerseits gibt man immer wieder viel von sich preis, will Aufmerksamkeit und Resonanz und dann erschreckt mich oft genau diese Resonanz, weil sie von Menschen kommt, die ich oft gar nicht einschätzen kann. Ich glaube es ist eine viel weniger geschützte Auseinandersetzung mit sich selbst und seinen Masken, als man sich bewusst macht.
    Und Deine Empfindlichkeit muss sein, sonst gäbe es diese wunderbaren Bilder nicht.

  8. Man könnte auch vermuten, dass es heute eigentlich eher ums „doing“ geht als ums „being“, weil das einer der Werte sind, die in unserer Kultur als wichtig geachtet werden. Also kann man nie einfach sein wie man ist, sondern muss immer machen und tun und kann so nie sein ganzen Ich zeigen, sondern immer nur Fragmente.

  9. Schön, dass es noch weiter geht. Stimmt schon, Clara, dass unsere Gesellschaft sich lieber aktiv geben will, aber ich glaube selbst das befindet sich im Umbruch. Ich denke bei deinen Worten an südliche Länder, besonders auf dem Land, wo man immer noch die alten Leute, meistens in Gruppen zusammen, fein sortiert nach männlich und weiblich, sieht, wie sie einfach da sind, beobachten, zusehen, nicht mehr den Zwang empfinden zu scheinen, teilhaben zu müssen, aktiv, sondern diese passive complentative Rolle ausfüllen.
    Ich glaube es gibt ohnehin nur sehr wenige, seltene und kostbare Momente, in denen das ganze Ich sich offenbart und eins ist.

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