Biografie

Ich falte die Mützen, oder vielmehr: die Mützen falten mich. Diese alten Unklugheiten von der Beständigkeit einer verkehrten Welt. Alles ändert sich, damit alles bleibt wie es war. Und wir sind nur das Haar in der Suppe, ein paar Finger, die sich bewegen, ein Kopf, der sich im falschen Moment schüttelt, ein Blick der sich angesichts einer Wahrheit senkt. Jahre, die man nummeriert wie Seiten. Ein neues Kapitel, das versucht zu leugnen, woraus es hervorgegangen ist. Das ist Bestätigung. Das ist Biografie.

Lügenbau

Ich bin da und auch wieder nicht da. Wie geht Dasein? Wo gehen die Fragen hin, wenn einer sie beantwortet?

Ist es einfacher mit den Lügen zu leben, oder die Wahrheit zurecht zu biegen?

Es war alles aus Lügen gebaut. Von Anfang an. Als hätten sie längst vergessen, was Wahrheit war, oder als wären sie einander nur begegnet, um die Wahrheit hinter sich zu lassen, die beschwerliche unwirtliche Wahrheit in der kein Platz zu sein schien für zwei wie sie, zwei, die auf ihrem Recht bestanden, das Leben zu betrügen. Die sich die Worte anzogen, die ihnen nicht passten, die Hauptrollen machten aus den ihnen zugedachten Nebenrollen, die über Geld redeten, als hätten sie einiges davon, die dem Wind trotzen, dem Schicksal und sogar ihrer Kinderlosigkeit. Alles mit der Macht der Lüge. Ihrer Wirklichkeit.

Ich liebe Dich. Ich schenke Dir ein Kind. Unser Kind.

Was passiert, wenn der Tod einzieht in ein Haus, das aus Lügen gebaut ist, und die Lüge, um die sich alles dreht, die alles trägt, ist erst fünf Jahre alt und benimmt sich immer wieder , als hätte sie nicht nur eine eigene Wirklichkeit außerhalb dieser Lüge, sondern darüberhinaus das Recht darauf?

Ich erzähl euch was, bevor ich geh…

ich kannte mal einen. er fuhr motorrad. er sagte: richtig schön ist es nur mit dir. er meinte das motorradfahren. ich sagte: ruf mich an. aber er rief mich nicht an. irgendwann traf ich ihn. seine augen leuchteten. sein mund hüpfte aufgeregt um seine finger. er war ganz außer sich vor freude, weil er mich wiedersah. warum hast du nicht angerufen? fragte ich. und er sagte: das telefon verändert die seele des menschen, so wie ein rock die beine einer frau.

Zaz – Je veux

 

(Bis Ende August werden keine Mützen mehr gefaltet)

Sansibar oder die Entscheidung wider ein Gegenüber

Sansibar saß im Licht. Er konnte es nicht lassen seine Augen zu schließen und zu sehen, wie das Licht durch die geschlossenen Lider drang. Schwertfische, Algen.

Wir sitzen in einer Kugel, sagte Sansibar zu seiner Schwester.

Kannst du dich an die Glaskugeln erinnern, in denen es schneite, wenn man sie schüttelte?

Und was ist der Schnee?, fragte seine Schwester.

Sansibar schloss die Augen und sagte: Deine Antworten machen alles kaputt.

Fang Lijun

Fang Lijun wurde 1963 in Hebei (China) geboren.

1968 musste der 5jährige mitansehen, wie sein Großvater im Rahmen der Kulturrevolution öffentlich gedemütigt wurde. Um Fang zu schützen, organisierte der Vater privaten Malunterricht für seinen Sohn. Wenig später wurde Fang in das Heimatdorf seines Großvaters geschickt.

1985 wurde Fang Lijun an der Zentralakademie der Schönen Künste in Peking aufgenommen. 1989 schloss er sein Studium ab.

Seit einiger Zeit beschäftigt sich Lijun mit dem Wasser. Er versucht die Dimensionen des Wassers darzustellen. In manchen seiner Bilder, fliesst alles, das Wasser erscheint hier als durch und durch befreiendes Element. Als Vertreter des zynischen Realismus, dem Fang Lijun zugeordnet wird, spielt er in seinen Bildern mit der Welt, so wie das Wasser mit den Menschen spielt.

Fang Lijun Untiteld, 2005