Außer Hörweite

Außer Hörweite

Außer Hörweite – Isla Volante

Wenn man wirklich tief in die Wahrheit eintaucht, hatte er gesagt, kommt man als ein anderer wieder heraus. Dann war er zur See gefahren. So war es immer. Er gab ihr einen Satz über den sie lange nachdenken konnte und verschwand. So waren es nicht seine Hände, an die sie sich erinnerte, nicht sein Körper, nur die Worte und seine Stimme. Und jetzt sah sie dieses Schiff, nicht weit vom Ufer, aber sie konnte es nur sehen, nicht hören, und darum drehte sie ab.

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ich kannte mal einen

ich kannte mal einen. er fuhr motorrad. er sagte: richtig schön ist es nur mit dir. er meinte das motorradfahren. ich sagte: ruf mich an. aber er rief mich nicht an. irgendwann traf ich ihn. seine augen leuchteten. sein mund hüpfte aufgeregt um seine finger. er war ganz außer sich vor freude, weil er mich wiedersah. warum hast du nicht angerufen? fragte ich. und er sagte: das telefon verändert die seele des menschen, so wie ein rock die beine einer frau.

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Vergangenheit – schwarz-weiß

Vergangenheit, schwarz-weiß.

Vergangenheit, schwarz-weiß.

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Radmila Lazic

Der Dichter darf nicht unterwürfig sein. Außer gegenüber der Wahrheit. Alles andere: die Nation, das Vaterland, die Familie, die Ehefrau… Sind nichts anderes als feige Ausreden

(Aus dem Brevier einer Dichterin: Radmila Lazic)

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Intelligenz

In letzter Zeit geschehen immer wieder Dinge, die mich dazu bringen, zu realisieren, wie unbedacht und gedankenlos wir (oder sollte ich sagen ich?) manche Begriffe gebrauchen, immer mit der Überzeugung im Hinterkopf, dass alle das selbe meinen, wenn z.B. von Intelligenz oder von Kompromissen die Rede ist. Gerade lese ich einen Aufsatz von Ortega y Gasset, der scheinbar genau diesen Punkt thematisiert, und wer weiß, ob ich offen gewesen wäre für seine Argumentation, hätten nicht diese voraussgehenden Erfahrungen stattgefunden.

In ihrem “Gedankenabriss” schrieb Sherry kürzlich etwas über Intelligenz und ich merkte erst an ihrer Antwort auf meinen Kommentar, dass ich gar nicht über Intelligenz geredet hatte, sondern über eine Art Klugheit, die ich bewundere und die ich für erstrebenswert halte. Intelligenz hingegegen und das weiß Sherry länger und besser als ich, ist eine:

formale, kognitive Fähigkeit im engeren Sinne, um “logisches  Denkvermögen, die Fähigkeit zum schlussfolgernden (induktiven) Denken und die Fähigkeit zur räumlichen Vorstellung.” Diese Fähigkeiten existieren unabhängig von sonstigen Kompetenzen und kulturellen Prägungen und sind klar zu definieren.

Also Intelligenztests, Skalen, Auswertungen. Das ist die eine Seite. Die andere ist der Glaube an die Intelligenz, daran, dass sie das höchste Gut ist, das, was es zu fördern gilt. Und diese Punkte habe ich durcheinander gebracht. Und nicht nur das, viel stolzer als auf mein Einser Abitur war ich gestern, als mein Sohn mir nach einem kurzen Gespräch über Steuern und Steuerhinterziehung sagte: Ah, jetzt verstehe ich das endlich. Dumm, oder?

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Das verborgene Leben des J.D. Salinger

Meine Beziehung zu J.D. Salinger ist eine ganz besondere. Ich will gar nicht viel dazu erzählen, nur dass mir sein Fänger im Roggen vor vielen vielen Jahren fast das Leben gerettet hat, auch wenn ich im Nachhinein Franny und Zooey noch viel viel besser finde. Seltsamerweise habe ich mich nie gefragt, wer dieser Mann eigentlich ist, wer er war, das steht doch alles mehr oder weniger in den Geschichten, das was man wissen muss, als Leser. Und seine Entscheidung weiter zu schreiben, ohne noch etwas zu veröffentlichen, das war für mich immer seine Entscheidung, radikal und irgendwie bewundernswert. Aber ganz sicher nicht zu hinterfragen. Dennoch gab und gibt es diese Nachstellungen, dieses vermeintliche Recht auf das Privatleben eines Autors, nur weil seine Geschichten vielen Lesern so viel bedeuten. Und weil sie nun schon einmal geschrieben und auch noch übersetzt worden ist, habe ich diese Biografie über sein “verborgenes Leben” gelesen, und mir meine Gedanken dazu gemacht. Vielleicht gerade deshalb plädiere ich dafür immer wieder seine wunderbaren Bücher zu lesen, statt solcher Machwerke.

Äquivalent zur Weigerung Salingers, sein Privatleben offen zu legen, wird auch Slawenskis Biografie zu einer Geschichte von Übergriffen durch die Medien, und der Unfähigkeit des Medienbetriebs, einen einfachen Wunsch, wie den Salingers, dass nicht über ihn geschrieben wird, zu respektieren. Mehr zu Slawenskis Salinger Biografie hier.

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Die einzigartige Zeichnung jeglichen Unglücks

Es kommt ja nicht darauf an, was man liest. Aber wie man es liest, darauf kommt es an. Wenn es um das Ankommen geht, um das Ankommen und nicht um das Aufkommen, um das es bereits vorher gegangen ist, weil vor dem Ankommen jemand aufkommen muss für die Möglichkeit irgendwo anzukommen.
Und jedes Denken, das zum Nachdenken verführt, ist eine kreisrunde Bewegung.

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