November

Schlagwörter

, , ,

Der König erhebt sich und springt

In den November Nebel

In dem ich sitze und nach Erinnerungen suche

Sachen wie Tautropfen auf Spinnenweben

Und blanke Äste die aus dem Nebel plötzlich

Nach mir greifen. Statt dessen der Kalender

Mit den Jahrestagen und wie die

Feuchtigkeit die Schrift verwischt.

Wir kommen aus dem Wasser

Sagt der König

Er ist freundlich

Er verbeugt sich

Bevor er untertaucht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heinz Bude – Gesellschaft der Angst

Schlagwörter

, , , ,

Als ich das erste Mal von Heinz Budes „Gesellschaft der Angst“ hörte, habe ich erwartet mit Hilfe dieses Buches zu erfahren, wie Angst strategisch als Machtinstrument sowohl im wirtschaftlichen als auch im politischen Bereich genutzt wird.

Die erhofften Hintergründe dazu, wie Wirtschaft und Politik sich die Existenzangst des Einzelnen zunutze machen, um Arbeitnehmer und Bürger unmündig in ihrer Ohnmacht zu halten, ist mir das Buch schuldig geblieben. Bude liefert stattdessen eine gründliche Analyse vom Umgang mit der Angst in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen. Das Prinzip Angst ist kein Machtinstrument bestimmter Klassen mehr, es ist längst zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem geworden.

Anne Carson, Wasser

Schlagwörter

, , , ,

Wasser in seinen unterschiedlichen Aggregatzuständen, und die Frage, ob es diese Aggregatzustände beim Menschen auch gibt.

Ein Stamm, eine Volksgruppe, die ihre Anlagen aus bislang nicht nachvollziehbaren Gründen, verbrannten, immer wieder, mit einer gewissen Regelmäßigkeit, wird – aus genau diesen Gründen – für religiös gehalten, schreibt Carson, und ich kann nicht umhin das auch, gerade im aktuellen Kontext, als zutiefst sarkastischen Kommentar zum Zeitgeschehen, oder vielmehr zur „Anthropologie“ zu lesen.

 

Anthropologie des Wassers wäre demnach auch so etwas wie der Versuch herauszufinden, was Wasser und Mensch gemeinsam haben, wo der Mensch wie Wasser ist, und wo das Wasser menschlich erscheint. Wiederum wie in diesem Satz über die Hoffnung der Pilger.

Was erhofft sich das Wasser?

Weiterhin frei von jeder Hoffnung zu sein?

Meeresboden

Schlagwörter

, ,

Meeresboden - Isla volante

Meeresboden – Isla volante

Nichts geschieht von selbst, oder alles, und es ist allein mein Wille, der sich dem entgegenstellt. So wie der Meeresboden, der es ernst meint. Die Frage, wie es sich mit dem Licht verhält. Ist Licht mehr als ein Widerspruch zur Dunkelheit?

Stimmen, die einander Worte zurufen, Laute, die auf Erinnerungen stoßen, bevor sie ihr Ziel erreichen, straucheln, die Orientierung verlieren, fallen.

Vielleicht fällt Licht auf das gefallene Wort. Den Meeresboden erreicht es nie.

Umdrehen

Schlagwörter

, , , , ,

Eine Verschwiegenheit lag in der Luft, verschloss Fenster und Türen vor dem Geflüster, das sich sehr langsam, sehr vollständig über alles legte, was bewegungslos war. Die Vögel flohen vor dem Geflüster in den Bäumen, die nächtlichen Schatten standen unruhig vor den geschlossenen Fenstern.

Am See, am kleinen Weiler am Dorfrand, dort wo letztes Jahr ein Mann von dem niemand viel mehr als den Namen wissen wollte, ins Wasser gegangen war, stand sie, flocht ihre Zöpfe, wartete darauf, dass die Wolken den Mond freigaben.

Wartete vielleicht auf Erlösung, auf das Schweigen der inneren Stimmen. Im schwarzen Wasser spiegelte sich ihr Gesicht. In jeder Falte eine Erinnerung und niemand außer ihr, der sich besinnt. Ihr Gesicht war unterteilt in mehrere Schichten, Geschichten, in denen sie mehr oder weniger eine Rolle gespielt hatte. Vergangene Geschichten, die nie vollständig vergehen. Tut es weh, wenn du dich umdrehst?

Was für eine Frage. Natürlich tut es weh.

Niemals hätte sie sich umgedreht, dumm und schmerzunempfindlich wie Lots Frau, wie Orpheus.

[Matrix 33-34, 2013]

 

Alter und Zeit

Schlagwörter

, , , ,

Realistisch müsste man schreiben. Von der Textur dieser Decke, und wie es ihr gelingt makellos auszusehen, und gleichzeitig so, als wäre sie schon mehrere Jahrzehnte alt. Als hätte sie in den 70er Jahren das Licht der Welt erblickt, und vielleicht sogar für einen Moment geglaubt, die Welt besteht aus Licht. Aber nicht als Versprechen, das sich niemals einlösen sollte, eher als etwas Beängstigendes, und dann wurde doch nichts gut.

Flecken und eine Art Verstörung, wenn die Blätter fielen.

Realistisch erzählen und doch so, als wäre es eine Geschichte. Eine Geschichte vom Stillstand, wie der Stillstand sich bewegt, und mitten im Stillstand ein vorzeitig gealtertes Kind (keine Zeit, erwachsen zu werden). Ein Muster aus Langeweile und Fraglosigkeit. Fein gewebt zunächst, und später entgleist.

Man nennt es Alter und Zeit.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 371 Followern an