Glauben

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Glauben - Isla volante

Glauben – Isla volante

Er hatte ihr alles erklärt und sie hatte nichts davon geglaubt. Seine Stimme, die Unmenge an Worten, die aus seinem Mund sprudelten, und ihre langmütigen Blicke, die alles verebben ließen in einer Gleichgültigkeit, groß wie das Meer.

Ich wollte, sagte sie Jahre später, als sie ihn endgültig verließ, wollte dem Fluss folgen. Aber Du hast immer so getan, als gäbe es nur das Meer.

 

Als würde es mich nicht geben, ohne die Zumutungen der Zukunft

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Von der Zügellosigkeit der Zeit habe ich einmal geschrieben. Und das ist sowohl wahr als auch Unsinn, die Zeit zügellos zu nennen. Was hat die Zeit mit Zügeln zu schaffen? Und andererseits gibt es kaum etwas, dem wir so unterliegen wie der Zeit. Gestern ein Video gesehen in dem im Zeitraffer von fünf Minuten ein kleines Mädchen zur alten Frau wird, ohne Übergänge, ohne dass man es wirklich fassen kann.

Was bleibt sind schwer definierbare Fixpunkte, der Blick, die Nase, weniger der Mund. Und Erinnerungen.

Ein unerschöpfliches Wort, mindestens ebenso zügellos wie die Zeit. Unerschöpflich. Für mich.

Zum Beispiel diese Eigenart, mir keine Erinnerung zu erlauben, ohne den mit der Erinnerung einhergehenden Schmerz. Es ist mir nicht möglich, die schönen Momente wach zu rufen, noch einmal vor mir zu sehen, ohne augenblicklich zu bedauern, dass sie unwiderruflich vorbei sind.

Als wäre das der Kern der Geschichte von Orpheus und Eurydike. Der Grund für das Verbot, sich umzudrehen.

Namen

Wir legten uns über das Vergnügen und vergaßen die Richtung auf eine ungute Art. Sie führte uns ins Gebirge. Wir glaubten an die Heilkraft der Steine, der Luft. Manchmal hielten wir uns für Vögel und wollten zurück. Dorthin wo uns niemand kannte und jeder den anderen beim Namen nennt, so selbstverständlich als wäre sogar die Wüste benennbar.

Angst

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Im Spanischen klingt das Wort für Angst weich, melodisch. Miedo erinnert an miel – Honig.
Was sagt der Klang eines Begriffs aus über das Verhältnis einer Nation zu diesem Begriff?

Die Angst, die scheinbar noch vor jedem Anfang da ist. Als Antwort. Aber vielleicht auch als Möglichkeit des Widerstandes. Annahme statt Abwehr.
Die Angst, die dafür sorgt, dass wir die Dinge umkreisen, ohne in das Innerste vorzudringen.
Wovor hast Du Angst fragen und meinen: Wie lautet die Wahrheit hinter deiner Lüge?
Worte, die sich aneinander reihen, aufgrund meiner Unfähigkeit zu schweigen.
Worte gegen die Angst.
Oder Worte als Atem der Angst?

Alphabet

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Vor einiger Zeit habe ich von jemandem gehört, der ein Wörterbuch las, Wort für Wort, und bei jedem Wort innehielt, um sich zu erinnern. Es war ein spanisches Wörterbuch und er beschrieb, wie das Wort aceitunas (Oliven) Erinnerungen an seine Heimat, seine Kindheit, hervorriefen.
Mir hat diese Geschichte sehr gefallen. Die Geschichte und die Vorstellung jedem einzelnen Wort Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken.

Noch vor dieser Geschichte, das war 2012, habe ich schon einmal ein Alphabet geschrieben. Wobei Inger Christensen und ihr Alphabet den Anstoß gab.
Vielleicht schließt der Versuch, den ich jetzt mache daran an, vielleicht entsteht etwas vollkommen anderes, etwas, das nichts mehr damit zu tun hat. Vielleicht ist es nur Werbung, Marguerite Duras hat einmal geschrieben: „Wenn das Schreiben nicht jedes Mal alle Dinge zu einem einzigem, seinem Wesen nach Unbestimmbaren vereint, so ist es nichts weiter als Werbung.“

Möglicherweise entsteht aber auch eine Verbindung. Eine Verbindung zwischen der Geschichte von dem Mann mit dem Wörterbuch und dem alten Alphabet, vielleicht kann dieser Versuch die Möglichkeit einlösen, die in jedem Schreiben steckt, nämlich Ausdruck von Zärtlichkeit zu sein.

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