Alphabet

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Vor einiger Zeit habe ich von jemandem gehört, der ein Wörterbuch las, Wort für Wort, und bei jedem Wort innehielt, um sich zu erinnern. Es war ein spanisches Wörterbuch und er beschrieb, wie das Wort aceitunas (Oliven) Erinnerungen an seine Heimat, seine Kindheit, hervorriefen.
Mir hat diese Geschichte sehr gefallen. Die Geschichte und die Vorstellung jedem einzelnen Wort Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken.

Noch vor dieser Geschichte, das war 2012, habe ich schon einmal ein Alphabet geschrieben. Wobei Inger Christensen und ihr Alphabet den Anstoß gab.
Vielleicht schließt der Versuch, den ich jetzt mache daran an, vielleicht entsteht etwas vollkommen anderes, etwas, das nichts mehr damit zu tun hat. Vielleicht ist es nur Werbung, Marguerite Duras hat einmal geschrieben: „Wenn das Schreiben nicht jedes Mal alle Dinge zu einem einzigem, seinem Wesen nach Unbestimmbaren vereint, so ist es nichts weiter als Werbung.“

Möglicherweise entsteht aber auch eine Verbindung. Eine Verbindung zwischen der Geschichte von dem Mann mit dem Wörterbuch und dem alten Alphabet, vielleicht kann dieser Versuch die Möglichkeit einlösen, die in jedem Schreiben steckt, nämlich Ausdruck von Zärtlichkeit zu sein.

Meisterinnen des Lichts – Boris Friedewald

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„Mich interessiert der Rand der Welt, nicht die Mitte. Das Nichtaustauschbare ist für mich von Belang.“ Dieses Zitat der Fotografin Sibylle Bergemann illustriert auch die Herangehensweise mit der Boris Friedewald 55 Fotografinnen aus zwei Jahrhunderten für seinen Bildband „Meisterinnen des Lichts“ ausgesucht und porträtiert hat.

Zwischen Begreifen und Beschränkung – Die Zukunft der Literatur

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Anlässlich ihres 50jährigen Bestehens fragte die Literaturzeitschrift Text und Kritik nach der Zukunft der Literatur.

Gerhard Falkners Antwort ist eine Warnung.

Eine Warnung vor dem Primat der ökonomischen Verwertbarkeit.
Wie soll sich etwas entfalten, fragt er, das von vornherein „nützlich“, wirtschaftlich sein muss?
Derartige Bedingungen begünstigen eine „Literaturimitation“, d.h. es wird Literatur hergestellt, die sich eignet, Anträge zu stellen, alle und alles bleibt tunlichst an der Oberfläche, denn „sie wollen nicht wissen, was sie tun.“
Um dieses Nicht wissen wollen geht es im Kern. Als Folge einer verkümmernden Literaturproduktion und als etwas, das mit dieser Art von Literatur und deren Verbreitung einhergeht.
Literatur wird in erster Linie als Kommunikation betrieben, als Tauschware gegen Aufmerksamkeit und vor allem Zugehörigkeit in einem wirtschaftlich funktionierenden Betrieb. Naturgemäß passt der „innere Monolog“, der „bis vor zwei oder drei Jahrzehnten die Energiequelle der Literatur schlechthin“ war, nicht länger in so ein Konzept.
„Das Internet“, schreibt Falkner, „stellvertretend für das ganze gigantische Mediengebilde, ist die Zeit, die der Literatur verloren gegangen ist.“
Es leuchtet ein, dass in dieser Atmosphäre kein Platz ist für die „Wiedererfindung des Selbst in einem Zeit-Raum, der in aller Absicht nicht der Effektnützlichkeit von Geld-, Sozial- oder Muskelwerten dient“ (Ulrike Draesner im selben Band).
Reflektion findet kaum mehr statt. „Das Spiel mit dem eigenen verebbt“ (Falkner). Die „Kommunikationsnarkose“ lässt den inneren Monolog langsam aber sicher absterben.

Unterstützt wird dieser Prozess von der Literaturkritik, die ebenfalls Marktzwängen unterliegt. Feuilletons werden kaputt gespart und verkommen zu Werbeplattformen des marktkonformen Literaturbetriebs. Nicht zuletzt weil Zeit und Geld fehlt, um anspruchsvolle Literatur angemessen besprechen zu können. „Jeder Kritiker muss komplexe Literatur quasi auf „eigene Kosten“ besprechen, und die Kluft zwischen Aufwand und Ertrag wird immer unsinniger.“

„Literatur schenkt uns Zeit, unser eigenes Leben zu begreifen“, schreibt Ulrike Draesner, und die Zukunft der Literatur wird entscheidend davon abhängen, für welche Werte wir uns einsetzen, bzw. wer vor lauter Wirtschaftszwängen und Funktionieren noch den Mut findet, das eigene Leben und die eigene Beschränktheit zu begreifen.

Ordnung

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Sie hat diese Unordnung um sich verbreitet. Eine Unordnung, die täglich zunimmt. Die sie aufnimmt.
Sie nimmt ein Buch in die Hand, liest ein paar Zeilen, steht auf, geht zur Tür, schließt das Fenster, erinnert sich an die Suppe im Topf, die umgerührt werden muss, an die Wäsche, die aufgehängt werden muss. Sie lässt das Telefon klingeln. Sie möchte sich ausmalen, wer der Anrufer sein könnte, nicht wissen, wer es ist.
Ihr Blick fällt auf die Kinderzeichnungen, die langsam vergilbend immer noch an den Wänden hängen. Sie verachtet sich für ihre Schwäche, die Unfähigkeit, etwas mit sich anzufangen. Ein Muster in der Unordnung zu erkennen, sich zu entscheiden einen Faden aufzunehmen und weiter zu weben. Nur für sich.
Sie hat diese Unordnung um sich verbreitet. Eine Unordnung, die täglich zunimmt. Die sie aufnimmt.

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